Wirtschaft

Supermarktkette Chef des Real-Mutterkonzerns kündigt Abbruch der Gespräche mit ver.di an / Gewerkschafter der Region empört

„Das ist eine Unverschämtheit“

Archivartikel

Mannheim.Die Nachricht hat ver.di-Gewerkschafterin Sabine Möller auf die Palme gebracht: „Eine Unverschämtheit ist das“, was der Handelskonzern Metro vorhat. Dessen Chef Olaf Koch hatte am Dienstagabend den Tarifstreit zwischen dem angeschlagenen Tochterunternehmen Real und ver.di quasi für beendet erklärt. Ein Verhandlungstermin gestern ist geplatzt. Es gebe eine „offenkundige Blockadesituation“, wegen der sich Metro entschlossen habe, nach einer neuen Lösung für einen Tarifvertrag zu suchen. Deutschlandweit sind von dem Konflikt 34 000 Beschäftigte betroffen, in der Region sind es über 450.

Konkret bedeutet das: Real tritt aus dem Handelsverband HDE aus und in den wesentlich kleineren Arbeitgeberverband AHD ein. Damit wäre Real nicht mehr an ver.di als Verhandlungspartner gebunden. Von anderen Gewerkschaften verspricht sich der Konzern „moderne und flexiblere“ Tarifverträge. Möller, bei ver.di Rhein-Neckar für Handel zuständig, kritisiert nun, dass Mitarbeiter gravierende Fehler im Management ausbaden müssten. Real schreibt seit Jahren rote Zahlen und gilt deshalb als Sorgenkind in der Metrogruppe. Niedrigere Löhne sollen es auf lange Sicht richten. Die Gehälter in tarifgebundenen Unternehmen liegen bis zu 30 Prozent über jenen in nicht-tarifgebundenen Firmen.

Kette wieder fit machen

Kochs Ankündigung ist eine Zäsur in dem seit zwei Jahren andauernden Tarifstreit. 2016 hatten ver.di und Real einen sogenannten „Zukunftstarifvertrag“ abgeschlossen. Der brachte für die Beschäftigten deutliche Gehaltseinbußen mit sich. Dafür sollte innerhalb von zwei Jahren ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen werden, der das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig macht und faire Löhne bringt.

So weit der Plan. Die Fronten haben sich aber seitdem verhärtet. Metro sagt nun, ver.di habe die Vereinbarung nicht eingehalten, „wettbewerbsfähige Kostenstrukturen zu schaffen. „Das stimmt nicht“, sagt Horst Gobrecht, vom ver.di-Berzirk Südhessen. Man habe lediglich Verhandlungen zugestimmt. „Wettbewerbsfähige Strukturen“ definiere schließlich jeder Konzern anders.

Besonders geärgert hat sich die Gewerkschaft über die Vorschläge von Real. Diese sahen vor, „die Gehälter der Beschäftigten dauerhaft radikal um bis zu 40 Prozent zu senken“, wie ver.di mitteilt. Wenn man da einknicke, dauere es nicht lange, bis Rewe und Co. ähnliche Forderungen stellten, sagt Gobrecht. „Die warten nicht lange.“ Überhaupt das Thema Löhne: „Es heißt immer nur Personalkostensenkung, Personalkostensenkung. Bei einer Entgeltregelung gibt es auch andere Fragen zu klären.“

„Auf Mitarbeiter hören“

Zudem sollte ein Konzern wie Metro in der Lage sein, auch für schwierige Tochterunternehmen Tarif zu zahlen, so Gobrecht. „Im Sinne des Erhalts von Arbeitsplätzen und eines Entgeltniveaus, was nicht geradewegs zu Armutslöhnen führt.“ Was den Umbau der Real-Kette angeht, müsse man eben auch mal auf die Mitarbeiter hören, sagt Möller: „Kollegen aus der Region haben viele Verbesserungsvorschläge gemacht.“ Der Konzern solle das Konzept überdenken. Die drastischen Mittel, zu denen Metro nun greifen will, wolle man nicht hinnehmen. „Wir werden kämpfen“, sagt Gobrecht. Ob das nun Streiks bedeute? „Möglich sind die immer. Nun wird aber erst einmal das weitere Vorgehen diskutiert“, so Möller.

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