Wirtschaft

Börse Sprudelnde Firmengewinne, niedrige Zinsen und Aussicht auf Steuerreform in den USA treiben deutschen Leitindex auf neues Rekordhoch

Dax springt erstmals über 13 000 Punkte

Frankfurt.Auf dem Frankfurter Börsenparkett steppt derzeit nicht der Bär, sondern der Bulle. Das Tier symbolisiert steigende Aktienkurse. Und wie sie steigen: Gestern schaffte es der Dax erstmals in seiner Geschichte über die 13 000 Punkte. Seit Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex, in dem die 30 größten börsennotierten Konzerne des Landes versammelt sind, nun um insgesamt über 13 Prozent zugelegt.

Warum sind die Kurse so stark gestiegen?

Zum einen läuft die deutsche Wirtschaft seit Jahren rund. Entsprechend sprudeln die Gewinne - Anleger erhoffen sich ihren Anteil daran, etwa durch Dividenden. Zum anderen ist der Dax-Rekord auch der Entwicklung in den USA zu verdanken, wo an der Wall Street eine Bestmarke nach der anderen erklommen wird. Hier hoffen Anleger auf die Umsetzung der von Präsident Donald Trump versprochenen Steuerreform, die vor allem mittelständische US-Unternehmen entlasten soll. Außerdem fluten Notenbanken die Finanzmärkte als Folge der Finanzkrise vor zehn Jahren mit billigem Geld. Das müssen die Investoren irgendwo anlegen - und weil die Zinsen niedrig sind, setzen sie oft auf Aktien.

Steigen die Kurse gegen Jahresende nicht grundsätzlich?

Nicht immer, aber oft. Eine gern zitierte Börsenweisheit lautet "Sell in May and go away, but remember to come back in September." Ins Deutsche übersetzt heißt das: "Verkaufe im Mai und wende Dich ab, aber denke daran, im September zurückzukommen." Tatsächlich gilt der September in der Börsenwelt als schwächster Monat des Jahres, in dem viele Aktien besonders günstig zu haben sind. Von da an greifen Anleger verstärkt bei den Papieren zu - der Beginn der vielzitierten Jahresendrally. Allerdings ist das nicht in Stein gemeißelt.

Was macht Experten sicher, dass der Dax auf lange Sicht weiter steigt?

Tatsächlich ist und war wirtschaftliches Wachstum bislang immer Bestandteil der industrialisierten Gesellschaft. Das ist nicht nur politisch gewollt, es geht auch mit dem technischen Fortschritt einher. Natürlich ist diese Maxime nicht frei von Kritik - sogenannte Postwachstumsökonomen sagen, dass es uns ohne ständige Produktivitätssteigerungen besser gehen würde. Noch aber steigt der Wert, den Unternehmen Jahr für Jahr schaffen. Daran werden auch die Aktionäre beteiligt. Besitzer von Sparbüchern hängen dagegen bei ihren Zinsen von der Geldpolitik der Notenbanken ab.

Und warum wird dann so selten in Aktien investiert?

Die Deutschen sind Börsenmuffel und scheuen das Risiko, was sicher auch in ihrer Geschichte begründet liegt. Zwei Weltkriege, mehrere Börsencrashs und Hyperinflation haben ihren Tribut gefordert. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts hält gerade einmal jeder siebte Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds.