Wirtschaft

Daimler Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche übergibt im Mai 2019 an Entwicklungschef Ola Källenius / Wechsel in den Aufsichtsrat 2021 geplant

Der Mann mit dem Schnauzer geht

Archivartikel

Stuttgart.Es ist ein Leben für den Autokonzern Daimler. 1976 fing Dieter Zetsche im Forschungsbereich an, arbeitete sich vom einfachen Elektrotechnikingenieur über viele Auslandseinsätze bis 2006 zum Vorstandschef der Marke mit dem Stern hoch. Seither hat der Mann mit dem markanten Schnauzer das Image von Daimler konsequent auf jünger getrimmt. Die Bilanz präsentierte er zuletzt in verwaschener Jeans und offenem Hemd – die dunkelgrauen Anzüge, über Jahrzehnte die Uniform auf der Führungsebene, haben ausgedient.

Legendär sind Zetsches Auftritte in einer amerikanischen Werbekampagne für die damalige US-Konzerntochter Chrysler. Darin erklärte er als „Dr. Z.“ die Vorzüge der eigenen Fahrzeuge. Allerdings musste die Kampagne vorzeitig gestoppt werden, weil der Erfolg ausblieb – die Amerikaner hielten „Dr. Z.“ für eine Kunstfigur.

Weltspitze zurückerobert

Mit dem Abschied aus dem Vorstand im nächsten Mai ist Zetsches Karriere allerdings nicht zu Ende. Nach einer „Abkühlphase“ von zwei Jahren soll er Vorsitzender des Daimler-Aufsichtsrats werden. Als Vorstandschef durchlebte Zetsche wechselvolle Zeiten. Nachdem er vor 13 Jahren das Steuer übernahm, ging es zunächst steil nach oben. Nur ein paar Jahre später hatten die Stuttgarter die Entwicklungen verschlafen, mussten eine Gewinnwarnung herausgeben und ein hartes Sanierungsprogramm auflegen.

Der Vorstandschef geriet unter Druck und musste sich viel Spott anhören – schaffte aber die Wende. Er führte den Konzern nach der Finanzkrise aus der Flaute, modernisierte die Designsprache der Stammmarke Mercedes-Benz und eroberte so jüngere Käuferschichten. Nach vielen Jahren hinter dem Erzrivalen BMW konnte Mercedes 2016 die Weltspitze im Verkauf von Premium-Autos zurückerobern. Seitdem eilt der Konzern von Rekord zu Rekord.

Unter Zetsches Führung hatte die Daimler-Spitze vor einigen Monaten damit begonnen, den Konzern grundlegend umzubauen. Geplant ist eine neue Struktur mit drei rechtlich eigenständigen Einheiten unter einer gemeinsamen Dachgesellschaft.

Nun hat er sogar seinen Wunschnachfolger Ola Källenius (kleines Bild) bekommen. Ihm hätte der 65-Jährige sicher gerne ein ordentlicher bestelltes Feld übergeben: Seit Sommer sinken die Verkäufe und die Gewinne. Und ein Abschluss der Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Manipulationen bei Dieselfahrzeugen ist nicht absehbar.

Locker und entspannt

Privat musste Zetsche einen schweren Schicksalsschlag verkraften. 2010 starb seine Frau nach 26 Jahre Ehe an einem Krebsleiden. Bei offiziellen Terminen begleitete ihn danach manchmal seine Tochter. Im Oktober 2016 heiratete er seine französische Lebensgefährtin.

Den Kulturwandel, der bei Zetsche manchmal ein wenig aufgesetzt wirkt, lebt sein Nachfolger Ola Källenius. Der gebürtige Schwede tritt immer locker und entspannt auf, nichts scheint den 49-Jährigen aus der Ruhe zu bringen. Seit zwei Jahren ist es ein offenes Geheimnis, dass der Entwicklungschef Zetsches Nachfolger werden soll. Dass Källenius bereits viele Aufgaben übernommen hat, die früher der Vorstandschef selbst erledigt hätte, hat das Bild verstärkt. Routiniert und freundlich chauffierte er beispielsweise Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Diesel über eine Teststrecke.

Källenius ist zwar gelernter Wirtschaftswissenschaftler, hat aber in seiner 25-jährigen Konzernkarriere viele „Benzin-Jobs“ innegehabt. Zeitweise war er für die Entwicklung der Formel-1-Motoren zuständig. Er ist mit einer Deutschen verheiratet. Källenius hat die Gabe, Menschen für sich einzunehmen – die kann er für Gespräche mit verärgerten Kunden oder hartleibigen Umweltschützern gebrauchen.

Zum Thema