Wirtschaft

Logistik Transportunternehmen bereiten sich auf Lieferung vor / Weinheimer Firma Trans-o-flex sieht sich gut gerüstet

Der Weg des Impfstoffs

Weinheim.Der Wettlauf um einen Corona-Impfstoff beschäftigt die Logistikbranche. Bei der flächendeckenden Versorgung hat Trans-o-flex dem Bundesgesundheitsministerium beratende Unterstützung angeboten. „Wir spielen derzeit sämtliche Szenarien durch“, ist von dem Weinheimer Transportspezialisten für sensible Güter, insbesondere aus dem Pharmabereich, zu hören. Als besondere Herausforderung gilt der von dem Mainzer Unternehmen Biontech in Kooperation mit dem US-Konzern Pfizer entwickelte Covid-19-Wirkstoff, der aus der Kälte kommt und für seine Stabilität mindestens minus 70 Grad Celsius benötigt.

Transporte bei solch einer Tiefkühltemperatur seien „grundsätzlich möglich, aber derzeit sind auch die Unsicherheiten noch groß“, sagt Trans-o-flex-Pressesprecherin Sabine Kolaric. Üblicherweise handelt es sich bei Impfstoffen – etwa der alljährlichen Schutzsubstanz gegen aktuelle Grippeviren – um kühlkettenpflichtige Produkte, die bei zwei bis acht Grad, also bei Kühlschranktemperatur, gelagert und transportiert werden.

Sind Tiefkühlkapazitäten nötig?

Auf die Herausforderung mit der extremen Minustemperatur hat Pfizer reagiert und dieser Tage angekündigt, dass es einen mit Trockeneis betriebenen Thermokoffer entwickelt hat. „Im Prinzip handelt es sich um ein Paket, das hinsichtlich der Bruchgefahr vorsichtig transportiert werden muss, aber ansonsten keine Spezialanforderungen an eine temperaturgeführte Logistik stellt“, erklärt Sabine Kolaric und nennt die aktuellen Fragen: „Werden solche Tiefkühlkapazitäten tatsächlich benötigt? Und wenn ja, in welchem Umfang und für welchen Zeitraum?“

Schließlich lieben es nicht alle aussichtsreichen Corona-Impfstoffkandidaten frostig. Der aus dem US-Biotechkonzern Moderna angekündigte Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19 soll bis zu 30 Tage bei normaler Kühlschranktemperatur stabil bleiben und bei minus 20 Grad Celsius bis zu sechs Monate gelagert werden können. Bei Trans-o-flex hält man es für wahrscheinlich, dass zugelassene Corona-Impfstoffe als kühlkettenpflichtige Produkte eingestuft und bei zwei bis acht Grad Celsius ausgeliefert werden könnten.

Mit Blick auf unterschiedliche Szenarien erklärt Wolfgang P. Albeck als Geschäftsführungsvorsitzender des Transportspezialisten: „Sollte es bei den jüngst von der Bundesregierung ins Spiel gebrachten Plänen bleiben, in Deutschland 60 Impfzentren einzurichten, könnten wir diese in nur einer Nacht versorgen.“ Trans-o-flex sei in der Lage, „von heute auf morgen die Zahl der Linientrailer um 50 Prozent zu erhöhen“.

Auch von anderen Anbietern der Branche, insbesondere von Logistik-riesen wie Deutsche Post DHL, Fedex und UPS, ist zu hören, dass sie sich intensiv mit der globalen Verteilung der noch in diesem Jahr erwarteten Covid-19-Impfstoffe beschäftigen. Kühne + Nagel habe bereits Auslieferungsverträge abgeschlossen.

SAP will mit Software helfen

So viel steht fest: Sobald Corona-Vakzine zugelassen sind, sollen sofort Millionen Impfdosen ausgeliefert werden. Bei welcher Temperatur dies auch immer erfolgen muss: Es gilt, die jeweils vorgeschriebenen Kühlgrade penibel einzuhalten. Denn anders als bei einem fälschlicherweise eingefrorenen Hustensaft, der nach dem Auftauen ausflockt, gibt es bei einem Impfpräparat keine auffälligen Warnsignale, wenn sich ein Wirkstoff verändert hat – mit der Folge, dass der Schutz vermindert ist oder ausbleibt.

Um die Logistik zu unterstützen, hat sich unterdessen der Walldorfer Softwarekonzern SAP eine digitale Lösung ausgedacht. In einer Mitteilung teilte der Konzern mit, das sogenannte Vaccine Collaboration Hub sei jetzt verfügbar – eine Lösung, die Regierungen, Gesundheitsbehörden, Life-Sciences-Unternehmen, Medizinprodukthersteller und Spediteure dabei unterstützen soll, das Logistiknetzwerk zu verwalten. Damit will das Unternehmen eine sichere und effiziente Auslieferung an Städte und Gemeinden gewährleisten. (mit dpa/jor)

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