Wirtschaft

Finanzen EZB will wissen, was der Ausstieg aus dem riskanten Handelsgeschäft kosten würde / Investmentbank-Chef: Vorerst keine radikalen Schritte

Deutsche Bank muss Krisenszenario durchrechnen

Frankfurt.Angeblich hat die Sache mit dem gerade vollzogenen Chefwechsel nichts zu tun. Vor einigen Monaten schon, heißt es in Frankfurt, habe die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Funktion auch als Bankenaufsicht die Deutsche Bank angewiesen, durchzurechnen, was die Abwicklung wichtiger Teile ihrer Sparte für das Investmentbanking – also für das Handels- und Kapitalmarktgeschäft – kosten würde. Nur Zufall, dass das gerade jetzt auf den Tisch kommt, da der neue Vorstandschef Christian Sewing zeigen muss, wie es für die angeschlagene Deutsche Bank weitergehen soll?

Das Geldhaus spricht von einem „routinemäßigen“ Verfahren. Es gehe um die Konsequenzen einer geordneten Abwicklung von Positionen in den Handelsbüchern. Die EZB schweigt. Erst in einigen Monaten sollen Ergebnisse der Prüfung vorliegen. Fakt ist: Vor allem das Investmentbanking steht im Fokus der Kritik. Es ist viel zu teuer, bringt zu wenig Ertrag und ist in erster Linie für die Skandale der Vergangenheit verantwortlich, deren Beilegung die Bank bislang einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet hat. Und wohl noch mehr Geld kosten wird.

Sewing weiß, dass die Sparte alles andere als gut aufgestellt ist. „Wir müssen uns das Investmentbanking jetzt noch einmal ansehen“, sagt er. Weitere Anpassungen, auch im Ausland, schließt er nicht aus. Da könnte die von der europäischen Bankenaufsicht geforderte Berechnung neue Aufschlüsse liefern.

Kopfschütteln über Boni

In der Kritik steht die Sparte wegen der fragwürdigen, im Nachhinein extrem teuren Geschäfte der Vergangenheit, die Ex-Vorstandschef John Cryan zwar nicht zu verantworten hat – die ihm aber gleichwohl zum Verhängnis geworden sind. Zudem sorgen Boni von 2,3 Milliarden Euro für die Investmentbanker für das vergangene dritte Verlustjahr in Folge nicht nur im Umfeld der Bank für Kopfschütteln.

Allerdings scheint das Aus der Sparte für Sewing kein Thema. In wichtigen Geschäftsfeldern sei die Unternehmens- und Investmentbank gut unterwegs – und das weltweit, schrieb er nach seiner Berufung in einem Brief an die Beschäftigten. Auch Garth Ritchie, der neue alleinige Chef der Investmentbank, hat betont, dass es vorerst keine radikalen Schritte in der Sparte geben soll. Und nicht zuletzt rücken nach der Hauptversammlung Ende Mai auf Wunsch des umstrittenen Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner ehemalige angelsächsische Investmentbanker in das Kontrollgremium.

Spätestens in der Frankfurter Festhalle muss Sewing den – auch wegen des dramatischen Verfalls des Aktienkurses – gefrusteten Aktionären erklären, wie die Bank und damit auch das Investmentbanking aus dem Tief kommen sollen. Analysten in Frankfurt sind jedenfalls überrascht, dass die Nachricht über die Anforderung der EZB an die Deutsche Bank im Blick auf ihr Investmentbanking gerade jetzt öffentlich wird.