Wirtschaft

Börse Laut einer Studie haben Bundesbürger ein falsches Bild von der Anlageform / Risikoscheu ein wichtiger Grund für Zurückhaltung

Deutsche grübeln viel vor dem Aktienkauf

Frankfurt.„Die Leute wissen nicht, wie wenig sie wissen müssen.“ Michael Grote, Professor an der privaten Frankfurt School for Finance and Management, spricht von einer „eigentlich paradoxen“ Lage. Die Deutschen, sagt er, hätten ein falsches Bild von der Geldanlage in Aktien und hielten sich – abgesehen von ihrer großen Risikoscheu – deshalb mit dem Kauf der Papiere zurück.

Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Zum Rätsel der Aktienmarktteilnahme in Deutschland“, die Frankfurt School, Goethe-Universität und die Deutsche Börse am Montag in Frankfurt vorgestellt haben.

Wie diesem Verhalten von Bundesbürgern begegnet werden kann, wie sie besser informiert und gerade in Zeiten von Niedrigzinsen über die Vorzüge der Aktienanlage aufgeklärt werden können, ist Grote, seinem Kollegen Sebastian Ebert und Christine Laudenbach von der Goethe-Universität aber auch nicht klar. Es bleibt nach Ansicht der Wissenschaftler ein Dilemma, dass sich die Bundesbürger nicht für die langfristige Geldanlage in Aktien erwärmen können. 2018 hatten nur 16,8 Prozent und damit 10,3 Millionen einen Teil ihres Geldes in Aktien oder Aktienfonds angelegt. Im Vergleich zu 2011 hat sich wenig verändert. Damals hatten 10,1 Millionen Bundesbürger am Aktienmarkt investiert. Zum Vergleich: In den USA liegt die Quote bei 54 Prozent.

Für ihre Studie haben die Autoren rund 2800 Bundesbürger befragt. Als wichtigsten Grund gegen ein Investment nennen zwei Drittel der Nicht-Aktienbesitzer die Angst vor hohen Verlusten und vor einem Börsencrash. Ebenso viele glauben, dass ihnen das notwendige Geld fehlt. Als besonders relevant für die Ablehnung sind nach Ansicht von Grote die Angst vor der falschen Aktienauswahl, bedingt durch zu viele Anlagemöglichkeiten, fehlende Informationen und die Ansicht, Aktien seien nur etwas für Reiche.

„Viele glauben auch, dass sie die Bilanzen der Unternehmen genau lesen und verstehen müssten“, sagt Laudenbach. Dabei ist dies nach Ansicht der Wissenschaftler gar nicht nötig. Schließlich gehe es um eine auf verschiedene Aktien oder in Fonds gestreute, langfristige Geldanlage. „Viele Nicht-Aktienbesitzer haben ein falsches Bild und setzen die Hürde für den Kauf von Aktien oder Aktienfonds viel zu hoch an“.

Allerdings spielt auch die im Vergleich zu Bürgern anderer Länder hohe Risikoscheu der Deutschen bei der Geldanlage eine wichtige Rolle, wenn es um den Kauf von Aktien geht. Fast 30 Prozent haben überhaupt nur zu Aktien gefunden, weil Familienmitglieder oder Freunde Aktien besitzen. Oder weil ihnen ein Aktiendepot etwa durch eine Erbschaft übertragen wurde.

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