Wirtschaft

Finanzen Heute legte die Europäische Bankenaufsicht EBA die Ergebnisse des jüngsten Stresstests vor / Aussagekraft der Untersuchung umstritten

Deutsche Institute haben wenig zu befürchten

Archivartikel

Frankfurt.Manche Experten sprechen von einem „Weltuntergangsszenario“, andere davon, dass der Fall kaum eintreten werde. „Das wäre, so als ob in ein Haus gleichzeitig der Blitz einschlägt, Feuer ausbricht, alles überflutet und eingebrochen wird und Strom und Heizung ausfallen.“

Angenommen wird faktisch eine wirtschaftliche Katastrophe, die die Welt, die EU, die Eurozone und auch Deutschland ereilt. Dieses Szenario wird für den jüngsten Stresstest der europäischen Banken zugrunde gelegt. Das müssen sie aushalten, dafür müssen ihre Kapitalrücklagen ausreichend sein. Gleichwohl wird beim Stresstest durch die Europäische Bankenaufsicht EBA und der Analyse der Europäischen Zentralbank (EZB) kein Geldhaus durchfallen. Aber wird die Kapitaldecke zu dünn, müssen sie nachlegen.

90 Geldhäuser gestresst

Seit Januar haben die Aufseher insgesamt knapp 90 Institute gestresst, so wie sie das alle drei Jahre tun, um die Widerstandsfähigkeit der Institute zu prüfen. Heute Abend legen sie die Ergebnisse vor – ohne allerdings kundzutun, welche Bank für zusätzliches Kapital als Risikopuffer sorgen muss. „Wir gehen von einem wirklich sehr negativen Umfeld für die Banken aus“, gibt ein Aufseher zu. In der EU bricht die Wirtschaft um 8,3 Prozent ein, in der Eurozone um 2,7 Prozent. Die Bedingungen seien härter als 2015 sagt ein Aufseher und räumt ein, dass das Szenario sehr unwahrscheinlich sei. 48 Banken aus 15 EU-Ländern unterzieht die EBA bereits seit Januar diesem Test, darunter acht große Institute aus Deutschland: die Bayerische Landesbank, die Commerzbank, die Deutsche Bank, die DZ Bank, die Landesbank Baden-Württemberg, die Landesbank Hessen-Thüringen, die Norddeutsche Landesbank und die NRW.Bank, die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen. Die EZB nimmt gleichzeitig weitere 54 Geldhäuser unter die Lupe, darunter elf deutsche Institute. Namen verrät sie nicht. Für deutsche Banken ist der Test härter als für Institute in anderen EU-Ländern. Grund ist die hohe Exportabhängigkeit.

Am Ende geht es darum, wie viel des Kapitals einer Bank, das der Abdeckung von Risiken dient, durch den Stress und die dadurch einstehenden Verluste aufgezehrt wird. Bei mindestens sieben Prozent müsse die Kernkapitalquote gemessen an riskanten Assets einer Bank, also etwa Krediten, nach dem Test noch liegen, lautet die Vorgabe.

Deutsche Banken hätten nichts zu befürchten, heißt es in Aufseherkreisen, weil sie mit Kapital sehr gut ausgestattet sind. „Es wird sich zeigen, dass das deutsche Bankensystem widerstandsfähiger ist als in anderen Ländern.“ Die Aussagekraft des Stresstests ist umstritten. Allein schon wegen der unwahrscheinlichen Bedingungen, die zugrunde gelegt werden. Außerdem gehe es nur um die Verwundbarkeit der Institute in dieser bestimmten Situation. „Es geht nicht um die generelle Widerstandsfähigkeit der Banken“, sagt ein Aufseher.