Wirtschaft

Finanzen Privates Geldvermögen mit 6,6 Billionen Euro auf Rekordhoch / Experten warnen vor Giro- und Sparkonten / Aktienquote gering

Deutsche sparen wie die Weltmeister

Archivartikel

Frankfurt.Die Bundesbürger sparen weiter wie die Weltmeister und haben auch 2019 ihr Geldvermögen kräftig gesteigert. Weil sie aber immer noch den Großteil des Ersparten auf nicht oder nur sehr mager verzinsten Giro- und Sparkonten anlegen, verpassen sie auch viele Chancen. Einer Analyse der DZ Bank zufolge ist das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland 2019 zwar um rund 441 Milliarden auf 6,6 Billionen Euro gewachsen. Allerdings gibt es bei klassischen Anlageprodukten in der Regel keine Zinsen mehr. Zudem kassieren immer mehr Institute bei besonders hohen Einlagen Negativzinsen. So haben Sparer im vergangenen Jahr rund 27 Milliarden Euro eingebüßt.

„Die anhaltende Niedrigzinsphase erfordert ein verändertes Sparverhalten der privaten Haushalte“, sagt DZ Bank-Ökonom Michael Stappel. „Wir brauchen in Deutschland eine neue Sparkultur.“ Es müsse stärker in reale Sachwerte wie Immobilien, Aktien, Fonds und Zertifikate investiert werden – schon allein, weil Menschen zunehmend gefordert seien, privat für das Alter vorzusorgen. Doch nach wie vor besitzt nur jeder achte Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds. Nur jeder siebte Euro des privaten Geldvermögens ist direkt in Aktien investiert. Im Vergleich zum Ausland ist die Quote sehr niedrig.

Übliche Schwankungen

Aktionäre und Aktienfondsbesitzer können sich freuen. Durch die gute Entwicklung an der Börse – der Dax hat um mehr als 25 Prozent zugelegt – ergaben sich der DZ Bank zufolge Bewertungsgewinne allein bei Aktien von 184 Milliarden Euro. Die vergleichsweise geringe Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer führt nach Ansicht von DZ Bank-Ökonom Stappel dazu, sich das Geldvermögen ungleichmäßig auf die privaten Haushalte verteilt. Aktionäre profitieren, „normale“ Sparer verlieren. Allerdings müssen Aktionäre mit Schwankungen leben. Hatten sie 2018 aufgrund der schlechten Börsenentwicklung noch Einbußen zu verkraften, wurden diese 2019 mehr als ausgeglichen.

Rund elf Prozent ihres verfügbaren Einkommens haben die Bundesbürger 2019 auf die hohe Kante gelegt. Allein die Einlagen auf Giro- und Sparkonten erhöhten sich von 2,517 auf 2,671 Billionen Euro. Die ebenfalls immer schlechter verzinsten Bestände bei Versicherungen stiegen von 1,886 auf 1,937 Billionen Euro. In Aktien hatten die Bundesbürger Ende 2019 rund 481 Milliarden investiert – nach 377 Milliarden Euro im Jahr davor.

„Viele Anleger wissen nicht, wohin mit freiwerdenden oder neuen Anlagemitteln“, sagt Stappel. „Die Folge ist ein gigantischer Anlagestau.“

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