Wirtschaft

Energiewende Industrie- und Handelskammertag kritisiert Bund wegen fehlendem Ausbau / Strom aus fossilen Quellen rückläufig

Deutsche Windkraft in der Flaute

Archivartikel

Mannheim/Berlin.Eigentlich hätte die Wirtschaft mit Blick auf die Zahlen der Energiegewinnung von einem durchaus erfreulichen Mittwochvormittag sprechen können. So lesen sich die Fakten, die das Fraunhofer-Institut am Morgen veröffentlichte, doch zunächst einmal gut: Etwa zehn Prozent mehr Terawattstunden Strom speisten demnach Windräder und Photovoltaik-anlagen in den Sommermonaten in das öffentliche Netz ein. Dagegen produzierten umweltschädliche Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke deutlich weniger Strom als noch im Sommer 2018.

Doch war es eben auch nur ein „eigentlich“ erfreulicher Vormittag. Denn der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bremste am Mittag eine womöglich aufkommende Euphorie kräftig aus und schlug mit Blick auf den Ausbau der Windkraft auf dem Festland Alarm: Der Ausbau sei im ersten Halbjahr 2019 fast zum Erliegen gekommen.

„Mit diesem Tempo kann die Bundesregierung ihre Ziele beim Klimaschutz und bei erneuerbaren Energien nicht erreichen“, sagte Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil auf 65 Prozent steigen – im ersten Halbjahr 2019 lag er bei nur 44 Prozent. Dercks warnte zudem, dass Unternehmen von dem „Schneckentempo“ direkt betroffen seien.

Auch der Mannheimer Energieversorger MVV blickt mit etwas Skepsis auf die Fortschritte des Ausbaus von Windkraftanlagen. Zwar habe das Unternehmen bei der Erzeugung von Windkraft zuletzt einen Zugewinn von 14 Prozent gemacht, teilte ein Sprecher auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Doch hatte der Vorstandsvorsitzende, Georg Müller, auch bereits Mitte August gesagt, dass „dem einhelligen Bekenntnis der Politik zu Klimaschutz und eigenen Ausbauzielen für die erneuerbaren Energien“ nun „auf allen Ebenen konkrete Maßnahmen folgen“ müssen, um „den ins Stocken geratenen Ausbau wieder in Schwung zu bringen.“

Interessen kollidieren

Wie schwierig die Abwägung von Interessen sein kann, verdeutlichte jüngst eine Veranstaltung in dem im Odenwald liegenden Grasellenbach. Unter dem Titel „Nachhaltiger Klimaschutz gegen nachhaltigen Landschaftsschutz“ diskutierten Mitte Juli Politiker und Bürger über den Bau von Windrädern im laut Bürgermeister Markus Röth von Touristen „hochfrequentieren“ Ort. Der Politiker sieht so den Bau von Windkraftanlagen im Spannungsfeld zwischen Natur, Tourismus und nachhaltiger Energieerzeugung.

Der für die Rhein-Neckar-Odenwald-Region zuständige Verband des „Bundes für Umwelt und Naturschutz“ fordert auf Nachfrage daher auch eine weitsichtigere Planung. „Beim Ausbau der Windenergie, der derzeit stagniert, muss bereits in der Regionalplanung der Fokus auf Gebiete mit geringem Konfliktpotenzial“ sowie hoher Windsicherheit gesetzt werden, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. (mit dpa)

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