Wirtschaft

Mobilität Jugendverband fordert kostenlosen Nahverkehr / Fehlende Digitalisierungskenntnisse in Ausbildung problematisch

DGB will freie Fahrt für Azubis

Archivartikel

Mannheim/Stuttgart.„Raus in die Welt“, heißt es oft, wenn Jugendliche nach ihrem Schulabschluss Stellen auf dem Arbeitsmarkt suchen – und tatsächlich ist dies wohl mehr als nur eine Floskel. Denn wenn es um den richtigen Ausbildungsplatz geht, wird womöglich auch die Strecke von der Haustür zum Arbeitsplatz, also „in die Welt“, um einiges länger.

Aus diesem Grund fordert der Jugendverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes Baden-Württemberg nun einen kostenlosen Nahverkehr für Auszubildende. Diese hätten nicht immer die Möglichkeit, in der Nähe ihrer Ausbildungsstelle auch zu wohnen, begründet Bezirksjugendsekretär Andre Fricke.

Er räumt allerdings auf Nachfrage ein, dass es „noch kein festes Konzept“ für die Finanzierung gebe. „Zentral ist, dass auf Auszubildende keine Kosten zukommen.“ Die müssten „aus Mitteln des Landes und der Betriebe getragen werden“.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium steht der Idee eines vollkommen kostenfreien Nahverkehrs für Auszubildende auf Nachfrage dieser Zeitung „verhalten gegenüber“. Schließlich müssen „Energie-, Investitions- und Personalkosten gegenfinanziert werden“, teilt ein Sprecher mit.

In Hessen gibt es seit zwei Jahren einen günstigen Tarif für Lehrlinge, wie ein Sprecher bestätigt. Hier können Auszubildende das landesweite Schülerticket für 365 Euro im Jahr, also einen Euro am Tag, benutzen. Mehr als 400 000 Schüler und Auszubildende nehmen das Angebot wahr, etwa 30 Prozent mehr als vergleichbare vorherige Tarife. „Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt ein Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, schränkt aber ein, dass das ohne Subventionierung des Landes nicht möglich sei.

IHK zurückhaltend

Laut dem Stuttgarter Ministerium sei das hessische 365-Euro-Ticket „ein interessantes Modell“. Ob ein solches auch für Baden-Württemberg in Betracht komme, „muss sorgfältig geprüft werden“. Ein Sprecher verweist auf „wirksame Schritte“, die das Land schon unternommen habe, etwa dem „Verbundgrenzen-überschreitenden BW-Tarif“.

Unterstützung bekommt Fricke von der Handwerkskammer Rhein-Neckar-Odenwald. Wenn es kostengünstige Schüler- oder Studenten-Ticket gebe sollte das auch für Lehrlinge gelten, sagt ein Sprecher. Dabei gehe es „um die Gleichwertigkeit der beruflichen mit der schulischen und universitären Ausbildung“. Die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar äußert sich verhaltener. Zwar stehe die Kammer jeder Maßnahme, die die Mobilität erhöhe, offen gegenüber, teilt sie mit. Eine gewisse Flexibilität von Auszubildenden, Entfernungen in Kauf zu nehmen, müsse jedoch aus Sicht der Unternehmen vorhanden sein.

Schlechte Vorbereitung

Derweil beklagen sich gemäß dem Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes Lehrlinge darüber, dass sie mit Blick auf digitale Technologien im Alltag schlecht vorbereitet worden sind. 54 Prozent der Befragten äußerten sich dahingehend. Und das, obwohl für etwa 80 Prozent der Befragten die Digitalisierung im Beruf grundsätzlich „wichtig“ oder „sehr wichtig“ seien.

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall übt im Gespräch mit dieser Zeitung Kritik an der Berufsvorbereitung. So würden „junge Menschen oft spät merken, dass sie mit anderen Vorstellungen an den Beruf herangegangen sind, als er sich in der Realität darstellt“, sagt ein Sprecher am Donnerstag.

Zum Thema