Wirtschaft

Die Folgen des Konsums

Nun stehen wir also vor den Bergen an Altkleidern und wissen nicht weiter. Über vier Millionen Tonnen davon sind im globalen Handel. Vieles davon Kleidungsstücke, die noch hätten länger getragen werden können, wenn sie uns denn nur gefallen hätten – auch jenseits der Umkleidekabine.

Es ist paradox. Wir alle haben davon gehört: von dem irrsinnigen Wasserverbrauch bei der Baumwollherstellung und der Gewässerverschmutzung, vom Erdöl, das man braucht, um Polyester zu gewinnen, dem Mikroplastik, das selbst noch in der Waschmaschine frei wird. Wir wissen von den Unmengen an Energie aus Kohlekraftwerken und den langen Transportwegen der Bekleidungsindustrie. Wir wissen, was es heißt, wenn in den Etiketten „Made in Bangladesh“ oder „India“ steht – wie absurd, dass unsere alten Kleider ausgerechnet dort wieder aufschlagen. Wir wissen viel, ahnen von der miserablen Ökobilanz unseres Kleiderschranks, und dann kommen wir aus der Kabine und laufen schnurstracks zur Kasse oder klicken auf „Kaufen“.

Das eigentliche Problem fängt nicht im Altkleidercontainer an. Es geht dort nur weiter. Das Problem fängt dort an, wo Konsum glücklich macht. Und wer kann sich dem kurzen Rausch schon ganz entziehen? Doch auch ein anderer Konsum kann glücklich machen: ein reduzierter, dafür aber bewusster. Ein Konsum von wenigen Lieblingsstücken, mit höherer Qualität, an denen wir uns auch noch freuen, wenn wir sie längst ausgepackt haben. Eine erste Ahnung davon kam während des Lockdowns. Wir waren auf Konsum-Zwangspause. Erst kauften wir nicht, weil die Läden geschlossen waren, dann, weil wir merkten, dass uns dabei eigentlich gar nicht so viel gefehlt hat. Vielleicht müssen wir uns das nur im Gedächtnis behalten.

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