Wirtschaft

Mobilfunk Verkehrsminister Scheuer lädt Politiker und Anbieter zum Gipfel, um Funklöcher zu schließen / Verbraucherexperte Krischer sieht katastrophale Zustände

„Die höchsten Preise und das schlechteste Netz“

Berlin.Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lädt heute zum großen Mobilfunkgipfel ein. Er will sich mit Vertretern der Länder und der großen Mobilfunkanbieter treffen, um über Strategien zum Schließen der Löcher zu beraten. Der Fraktionsvize und Verbraucherexperte der Grünen, Oliver Krischer (Bild), rechnet nicht mit positiven Ergebnissen für die Kunden.

Herr Krischer, ist der Mobilfunkgipfel des Verkehrsministers nicht notwendig und gut?

Oliver Krischer: Ein Gipfel ist immer schön. Ich befürchte nur, dass nichts dabei herauskommen wird. Die Netzbetreiber werden vielleicht eine bessere Netzabdeckung versprechen, und Minister Scheuer wird sich freundlich bedanken. Aber die Probleme wird er nicht anpacken.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die drängendsten Probleme?

Krischer: Eine vielbefahrene ICE-Strecke ist die zwischen Köln und Aachen mit dichtester Besiedlung am Rande. Da reißt mindestens ein Dutzend Mal die Verbindung ab. Surfen kann man in weiten Bereichen überhaupt nicht mit dem Handy. Von der katastrophalen Netzabdeckung im ländlichen Raum will ich gar nicht reden.

Die Netzbetreiber sagen, die LTE-Abdeckung sei besser geworden.

Krischer: Ich weiß nicht, woher die Netzbetreiber ihre Zahlen haben, aber mit der Realität hat das nichts zu tun. Die Erfahrung der Bürger insbesondere im ländlichen Raum ist eine ganz andere. Es gibt unabhängige Erhebungen, aus denen hervorgeht, dass das Netz sogar schlechter geworden ist.

Was schlagen Sie vor?

Krischer: Es darf nicht mehr so sein, dass der Staat mit der Versteigerung der Funklizenzen Milliarden verdienen will. Sondern es muss so wie in Skandinavien sein: Dort werden ohne große Einnahmen die Lizenzen vergeben, aber dann den Netzbetreibern auch klare und nachprüfbare Vorgaben gemacht inklusive mögliche Sanktionen. Die fehlen in Deutschland.

Ein besseres Netz braucht auch mehr Funkmasten. Da werden viele auf die Barrikaden gehen.

Krischer: Ich kann verstehen, dass niemand gerne neben einem Funkmast wohnen will. Deswegen wäre es sinnvoll, wenn sich die Netzbetreiber zusammentun und eine Sendeanlage zusammen nutzen, anstatt drei zu bauen.

Bedeutet ein besseres Netz auch höhere Preise?

Krischer: Das ist das Verrückte in Deutschland: Wir haben die höchsten Mobilfunkpreise im internationalen Vergleich, aber gleichzeitig mit das schlechteste Netz. Die Verbraucher zahlen über die vergleichsweise hohen Mobilfunk-Preise die Milliardenkosten für die Lizenzversteigerungen. Das ist nicht zielführend.