Wirtschaft

Berufe Handwerk verspricht bessere Qualität / Bestandsschutz für bestehende Betriebe

Die Meisterpflicht kehrt zurück

Berlin.Fliesen- und Parkettleger, Rollladentechniker oder Orgelbauer – für mehr Qualität soll in diesen Berufen künftig wieder die Meisterpflicht gelten. Darauf einigte sich die schwarz-rote Koalition. Die Meisterpflicht soll ab Anfang 2020 für insgesamt zwölf Gewerke wieder eingeführt werden. „Unser Ziel ist, mehr Qualität für die Kundschaft und mehr Nachwuchs im Handwerk durch eine bessere Ausbildung“, teilten Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize Sören Bartol am Montag in Berlin mit. Auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sprach von einem „starken Signal“ für Qualität und Qualifikation im Handwerk.

Änderung ab 2020

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Bis dahin durften diese Betriebe nur von ausgebildeten Handwerksmeistern geführt werden. Der Zentralverband des Handwerks dringt seit Langem auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen.

Wollseifer hatte wiederholt vor Marktverzerrungen gewarnt. Im Handwerk gebe es eine zunehmende Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen etwa bei der Qualität. Seit 2004 sei es in einigen Gewerken zu „Fehlentwicklungen“ gekommen, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks am Montag: „Weniger Auszubildende, weniger Fachkräfte, weniger Qualität, schneller vom Markt verschwindende Betriebe und infolge dessen ein geringerer Gewährleistungs- und Verbraucherschutz.“

Linnemann und Bartol erklärten, der Meisterbrief im deutschen Handwerk sei die „beste Garantie für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft“. Sie wollen einer Koalitionsarbeitsgruppe vorschlagen, für die zwölf Gewerke die Meisterpflicht wieder einzuführen.

Konkret soll dies gelten für: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer sowie Parkettleger. Außerdem für: Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und sollen einen Bestandsschutz erhalten.

Die geplante Wiedereinführung der Meisterpflicht soll fünf Jahre nach der Neuregelung überprüft werden. Die Änderung der Handwerksordnung soll Anfang 2020 in Kraft treten. dpa

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