Wirtschaft

Neuheiten Messe leidet unter massivem Ausstellerschwund / Experten vermissen zukunftsweisendes Konzept

Die „Problem-IAA“

Frankfurt.Die Krise hat sich schon vor zwei Jahren abgezeichnet. Damals musste der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit 994 Ausstellern und damit 100 weniger als 2015 bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) zufrieden sein. Bei der aktuellen Auflage der Autoschau haben gleich reihenweise Hersteller und Zulieferer abgewunken. Sie bleiben der IAA fern, die am 12. September durch Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wird.

Fläche schrumpft um 16 Prozent

Diesmal sind es nur noch rund 800 Firmen, die in die Frankfurter Messehallen und auf das Freigelände kommen, muss VDA-Präsident Bernhard Mattes einräumen. Die belegte Ausstellungsfläche ist um 16 Prozent geschrumpft. Die deutschen Autokonzerne specken ihre Auftritte deutlich ab. Rund 30 wichtige Hersteller verzichten auf die IAA. Es liest sich fast wie ein kleines Who is Who der Branche. Darunter sind etwa Toyota, Volvo, Peugeot, Fiat oder Alfa Romeo. Und Probesitzen in einem Ferrari, Maserati, Aston Martin oder Rolls Royce ist auch nicht. Die früher umlagerten Edel-Modelle fehlen. Aus Japan und Korea kommen nur Honda, Kia und Hyundai.

„Die IAA steckt in der Krise“, sagt Jürgen Pieper, renommierter Kenner der Branche beim Bankhaus Metzler. Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen spricht von der „Problem-IAA“. Natürlich leidet auch die Autobranche unter den Handelskonflikten, unter dem Brexit-Chaos und der weltweiten Konjunkturabkühlung. Dazu wirkt der Diesel-Skandal nach. Dudenhöffer sieht die Branche weltweit sogar vor ihrer größten Krise seit 20 Jahren.

Und trotzdem sind das in diesem Jahr nur einige von vielen Aspekten bei der IAA. Wie selten zuvor sehen sich der VDA und die gesamte Branche einer massiven Protestwelle ausgesetzt. Schon bei der Präsentation der Autoschau am Wochenbeginn in Frankfurt tummelten sich vor dem Frankfurter Congress Center Demonstranten. Die Deutsche Umwelthilfe, der BUND, Greenpeace, der Verkehrsclub Deutschland und Attac haben Proteste angekündigt. Am 14. und 15. September, den traditionell besucherstärksten Tagen, soll es die größten Demonstrationen geben. In diesem Jahr gesellt sich zu den Kritikern das Bündnis „Sand im Getriebe“. Die IAA sei Symbol einer überalterten Verkehrsordnung, sei kein Akteur der Verkehrswende, Elektrofahrzeuge seien nur ein Feigenblatt, heißt es dort. Am ersten IAA-Sonntag will das Bündnis die Zufahrten zur Messe blockieren – „friedlich, ruhig und besonnen“.

Der VDA ist bemüht, die Situation zu beruhigen. Knapp eine Woche vor Beginn der Schau lud der Verband am vergangenen Donnerstag in Berlin zu einem öffentlichen Dialog, unter anderem mit Daimler-Vorständen und BMW-Betriebsräten. Am 13. September veranstaltet der Verband im Rahmen der IAA einen Bürgerdialog „Mobilität der Zukunft“ mit Porsche-Chef Oliver Blume, Bosch-Chef Volkmar Denner und Ola Källenius, dem Vorstandsvorsitzenden von Daimler. Klimaschutz, individuelle Mobilität und Elektromobilität sollen unter anderem die Themen sein.

VDA-Chef Mattes gibt sich offen mit Blick auf die IAA. „Es geht nicht nur darum Autos auszustellen“. Die IAA sei viel mehr als eine Showbühne zu Marketingzwecken. Es gehe um die Mobilität der Zukunft. Das IAA Motto „Driving tomorrow“ soll nach den Vorstellungen von Mattes alle Verkehrsträger einbeziehen. Aber selbst der Branche durchaus zugeneigte Beobachter wie Pieper ist das viel zu wenig. „Mir fehlt eine klare Botschaft der Hersteller.“ Immer noch präsentierten die deutschen Hersteller wie Mercedes und BMW große und immer größere SUVs, wie die G-Modelle von Mercedes oder den X 7 von BMW. Gleichzeitig machten sie sich für Elektrofahrzeuge stark. „Das ist unglaubwürdig“, sagt Pieper. Auch nach Ansicht von Dudenhöffer fehlt es klassischen Automessen an einem zukunftsweisenden Konzept. Was wiederum zu den vielen Absagen geführt habe. „Statt mit neuen Konzepten in die Zukunft zu gehen, stehen auf den wenigen Ständen in Frankfurt jede Menge SUVs“. Das müsse, so Dudenhöffer, Umweltschützer zu Protestaktionen geradezu herausfordern.

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