Wirtschaft

Studie Aktionärsquote in Deutschland bleibt vergleichsweise niedrig / Anleger kennen sich mit wichtigen Börsenregeln aber vielfach aus

„Die Streuung hat sich extrem verbessert“

Frankfurt.Die Deutschen sind zwar weiter kein Volk von Aktionären. Aber diejenigen, die Aktien besitzen, haben offenbar verstanden, dass sie ihr Investment nicht nur auf ein Unternehmen konzentrieren, sondern breit streuen sollten. Die rund 4,5 Millionen Bundesbürger, die Aktien halten, sind im Schnitt bei 13 Unternehmen engagiert. Damit haben sie ihren Aktienbesitz breiter verteilt als 2013, als sie durchschnittlich nur Aktien von knapp zehn Unternehmen besessen hatten.

Mehr als 80 Prozent der Aktienbesitzer wollen langfristig vorsorgen und Vermögen bilden. Und nur 30 Prozent fragen noch ihren Bankberater, wenn es um die Anlage in Aktien geht. Dies zeigt eine Analyse des Deutschen Aktieninstituts (DAI) und der Deutschen Post. „Die Streuung der Aktienanlage hat sich extrem verbessert. Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Franz-Josef Leven, stellvertretener Geschäftsführer des DAI.

„Sie sollten bei ihren Investments weniger auf Rosinenpicken als auf eine breit gestreute Kapitalanlage setzen“, betont auch Bernhard Pellens von der Ruhr-Universität Bochum. Gleichwohl vertrauen in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrieländern nach wie vor nur wenige Menschen auf Aktien. Im vergangenen Jahr besaßen rund 10,3 Millionen Bundesbürger (16 Prozent) über 14 Jahre Aktien oder Aktienfonds. 5,8 Millionen setzten auf Fonds, der Rest hält direkt Aktien.

Rat von Banken kaum gefragt

Zum Vergleich: In Großbritannien und den USA liegt der Aktionärsanteil bei jeweils rund 25 Prozent, in Japan bei 28 und in den Niederlanden bei 30 Prozent. Die Analyse beruht auf einer Befragung der gut 430.000 Privataktionäre der Deutschen Post. Sie halten im Durchschnitt 350 Aktien der Post und Papiere weiterer Unternehmen.

Deutlich wird in der Studie, dass die Banken und Sparkassen für Aktieninvestments von Privatanlegern eine immer geringere Rolle spielen. Nicht einmal ein Drittel der Aktienbesitzer fragt eine Beraterin oder einen Berater, wenn es um den Kauf einer Aktie geht. Gegenüber 2008 ist das ein Rückgang um 40 Prozent. Grund sind nach Ansicht von Leven und Pellens die deutlich strengere Regulierung, etwa die Protokollierung jedes Gesprächs, auch am Telefon. „Der Rechtsrahmen für die Beratung wird immer enger“, sagt Pellens. Viele Institute haben deshalb die Aktienberatung ganz eingestellt.

Noch keine Rolle spielen für Aktienbesitzer im Übrigen Nachhaltigkeitsthemen und Klimaschutz. „Das ist noch von untergeordneter Bedeutung“, sagt Pellens. Auch angesichts der Klimadebatte dürfte das aber wichtiger werden. Wenig Interesse haben Aktionäre auch am Besuch der Hauptversammlungen. Nur zwölf Prozent sagen, dass sie an den Treffen teilnehmen.