Wirtschaft

Die Zeit drängt

Archivartikel

Für Vorstandschef Christian Sewing ist es frustrierend, für die 97 000 Beschäftigten der Deutschen Bank ernüchternd. Kostet die Aktie des größten deutschen Finanzinstituts, das Josef Ackermann einst an die Welt-Spitze führen wollte, bald nur noch acht Euro?

Sechs Jahre nach dessen Abgang sind die Folgen dieses offensichtlich von massiven Risiken begleiteten Vorhabens immer noch nicht getilgt. Das Vertrauen in die Bank und ihre Reputation liegen am Boden. Man kann nur hoffen, dass die Angaben des neuen Bankchefs über Reserven von 280 Milliarden Euro und angeblich geringe Kredit- und Marktrisiken wie nie korrekt sind. Viel Kredit hat die Deutsche Bank nicht mehr. Die Zeit für Sewing drängt. Doch von heute auf morgen kann der neue Chef das Ruder nicht herumreißen.

Dabei kann sich Sewing nicht nur auf Stellenabbau, die Einschränkung der Aktivitäten etwa in den USA und generell auf Kostensenkung konzentrieren. Der Markt ist hart umkämpft, nicht nur weil Fintechs gute Ideen haben und bei niedrigen Kosten immer besser werden. Gerade hat die Deutsche Bank die Idee einer eigenen Digitalbank begraben. Sie wäre ohnehin viel zu spät dran gewesen. Investoren und Anleger wollen nicht nur wissen, dass und wie die Deutsche Bank spart, sondern auch wie künftig und vor allem nachhaltig Geld verdient werden soll. Da muss vom Chef noch erheblich mehr kommen.