Wirtschaft

Prozess Investoren verlangen Schadenersatz für Kursverluste

Dieselaffäre: VW und Anleger streiten weiter

Archivartikel

Braunschweig.Im Abgasskandal bei Volkswagen sind durch höchstrichterliche Urteile seit diesem Sommer wichtige Fragen geklärt. Vom Tisch ist „Dieselgate“ für den Konzern aber längst noch nicht. Die juristische Aufarbeitung dauert fast fünf Jahre nach dem Auffliegen der Abgasmanipulationen weiter an. In Braunschweig wird in dieser Woche der milliardenschwere Musterprozess von Anlegern fortgesetzt, die Schadenersatz für erlittene Kursverluste verlangen. (Az: 3 Kap 1/16)

Zu spät über Risiken informiert?

In dem Verfahren geht es im Kern um die Frage, ob VW die Märkte rechtzeitig über den Skandal um Millionen von manipulierten Dieselmotoren informiert hat. Die Anleger werfen dem Management des Konzerns und der VW-Dachgesellschaft Porsche SE vor, sie zu spät über die finanziellen Risiken der im September 2015 bekanntgewordenen Abgasmanipulationen informiert zu haben. Aus ihrer Sicht hätten die Risiken auch in den Finanzberichten zuvor stehen müssen.

Der Mammutprozess läuft bereits seit fast zwei Jahren. Ein Ende ist auch nach Einschätzung des Gerichts nicht absehbar. Allein die Schriftsätze umfassen laut einer Gerichtssprecherin rund 5500 Blatt Akten. VW will das Kapitel, das den Konzern bereits rund 32 Milliarden Euro gekostet hat, hinter sich lassen. Das Unternehmen wirft der Klägerseite vor, in diesem Verfahren immer wieder von Kernfragen abzulenken. Anwalt Andreas Tilp, der die Musterklägerin Deka Investment vertritt, gibt sich zuversichtlich, Ansprüche der Investoren durchsetzen zu können. Den Streitwert beziffert das Oberlandesgericht Braunschweig auf mehr als vier Milliarden Euro.

Interessant dürfte für die Verhandlung an diesem Dienstag und Mittwoch die Frage sein, ob die Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) Auswirkungen auf den Prozess in Braunschweig haben werden. Der BGH hatte im Mai entschieden, dass VW betroffenen Autobesitzern grundsätzlich zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet ist. Die eingestellten strafrechtlichen Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, VW-Konzernchef Herbert Diess und seinen Vorgänger Matthias Müller haben bislang keine Auswirkungen. dpa

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