Wirtschaft

Dilemma der Bahn

Archivartikel

Die Preiserhöhungen bei der Bahn fallen auf den ersten Blick moderat aus. Doch ausgerechnet bei der treuesten Klientel, den Besitzern einer Netzkarte, langt das Unternehmen kräftig zu. Dahinter steckt wohl das Kalkül, dass diese Fahrgäste auf den Zug angewiesen sind und sich nicht einfach zu Konkurrenten davonschleichen können.

Die Preispolitik zeigt aber auch das Dilemma, in dem der Konzern steckt. Die Bahn ist hoch verschuldet, investiert Milliarden in neue Züge und Technik, kann also jeden Cent gut gebrauchen. Andererseits lässt der Wettbewerb mit Fernbus, Flugzeug und Auto insbesondere im unteren Tarifsegment keine großen Sprünge zu. So dreht die Bahn nur dort an der Preisschraube, wo die Nachfrage nach Tickets nicht gefährdet wird. Daran wird sich auf absehbare Zeit kaum etwas ändern. Für preisbewusste Kunden sind dies gute Aussichten. Sie können weiter auf günstige Angebote hoffen, vor allem, wenn sie zeitlich flexibel sind. Anders sieht es für Bahnfahrer aus, die von festen Verbindungen und Reisetagen abhängig sind. Die Bahn könnte versucht sein, den normalen Fahrpreis häufiger an der Auslastung der Züge zu orientieren – Freitagnachmittag kostet die gleiche Reise dann mehr als am Sonntagmorgen.