Wirtschaft

Europäische Bankenaufsicht Sabine Lautenschläger ist als Vizechefin ausgeschieden – ein Nachfolger fehlt bislang

Draghi lässt EZB-Spitzenposten unbesetzt

Frankfurt.Der gestrige Montag war Sabine Lautenschlägers (Bild) letzter Arbeitstag – zumindest als stellvertretende Vorsitzende der bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelten europäischen Bankenaufsicht SSM. Sie bleibt aber als einzige Deutsche und als einzige Frau Mitglied des sechsköpfigen Direktoriums der Notenbank. Aber eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für die engagierte und hoch angesehene Lautenschläger gibt es nicht. Das sorgt am Finanz- und Bankenplatz Frankfurt für Verwunderung.

Auch und vor allem über EZB-Präsident Mario Draghi, der sich angeblich nicht um das Thema gekümmert habe, auch wenn letztlich das EU-Parlament und die Regierungen der Euro-Staaten bei der Berufung entscheiden. Der Posten des SSM-Vize gilt als wichtig, weil er mit einer Personen aus dem Direktorium der Notenbank besetzt wird und damit wichtiges Bindeglied zwischen beiden Institutionen ist. Es gebe noch nichts Neues. „Aber sie werden es erfahren“, hatte Draghi Ende Januar nach der ersten Sitzung des EZB-Rates auf die Frage nach der Nachfolge von Lautenschläger gesagt.

Seitdem hat sich nichts getan. Als Option wird jetzt in Frankfurt diskutiert, die Amtszeit von Lautenschläger erst einmal zu verlängern, bis eine Lösung gefunden ist. Laut Regeln der EZB dauert eine Amtsperiode an der Spitze des SSM fünf Jahre. Verlängert werden kann sie nicht. Eigentlich. Die 54-jährige gebürtige Stuttgarterin, die mehrere Jahre im Vorstand der Bundesbank saß und dort als Vizepräsidentin fungierte, bevor sie 2014 zur EZB kam, hat die Aufsicht seit ihrer Gründung Anfang 2014 zusammen mit der französischen Präsidentin Danièle Nouy zu einer angesehenen und schlagkräftigen Einheit geformt. Die Französin ist im Dezember ausgeschieden.

Italiener auf wichtigsten Posten

Die Banken in Europa hatten in den beiden Damen hartnäckige Aufseherinnen, was nach Ansicht von Lautenschläger auch dazu geführt hat, dass die europäischen Banken krisensicherer geworden sind. Der SSM war im übrigen eine der wenigen wichtigen Institutionen in Europa mit einer weiblichen Doppelspitze. Geleitet wird der SSM seit Jahresanfang vom Italiener Andrea Enria. Zumindest bis Ende Oktober sitzen damit zwei Italiener auf den wichtigsten Posten im europäischen Finanzsystem. Bis dahin noch führt Mario Draghi als Präsident die EZB.

Auch hier ist die Frage eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin noch nicht geklärt. Eine Entscheidung durch die Regierungen der Eurostaaten wird erst nach der Europawahl Ende Mai erwartet. Insgesamt endet die Amtszeit von drei der sechs EZB-Direktoriumsmitglieder in diesem Jahr. (BILD: dpa)