Wirtschaft

„Eher kleine Zunahme“

Michael Schröder vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Am Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) beschäftigt sich Michael Schröder mit den internationalen Finanzmärkten.

Herr Schröder, kommt auf die Deutschen eine Phase hoher Inflation zu?

Michael Schröder: Die Inflation für Deutschland liegt derzeit leicht oberhalb der Inflation, die für das Eurogebiet ermittelt wurde. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Inflation von temporären Faktoren getrieben wird, die sich mittelfristig auch wieder abschwächen könnten. Dies trifft vor allem auf die Energiepreise zu, die generell sehr volatil sind. Bei unserer ZEW-Finanzmarkttestumfrage vom September, bei der wir deutsche Finanzexperten nach ihren Einschätzungen für die kommenden sechs Monate befragt haben, ergab sich folgendes Stimmungsbild: Die Mehrheit von 50,5 Prozent rechnet mit einer unveränderten Inflationsrate in Deutschland, 39,3 Prozent gingen von einer Zunahme aus, während 10,2 Prozent einen Rückgang erwarten. Zumindest auf Sicht des nächsten halben Jahres ist daher eher mit einer weiteren, allerdings eher kleinen Zunahme der Inflationsrate zu rechnen.

Besonders der Ölpreis treibt die Inflation an, was sich vor allem bei Heizöl und Sprit bemerkbar macht. Ist die gefühlte Inflation höher als die tatsächliche, weil Verbraucher häufig tanken?

Schröder: Es ist generell schwierig, etwas über „gefühlte Inflation“ auszusagen. Es kann durchaus sein, dass die Preisentwicklung bei Gütern des täglichen Lebens stärker ins Gewicht fällt, wenn es um die Einschätzung der gesamten Preisentwicklung geht. Inwieweit das jetzt, zum Beispiel in Bezug auf Konsumentenumfragen, der Fall ist, ist jedoch nicht klar ersichtlich. Die 2,3 Prozent Inflationsrate vom September sind jedenfalls objektiv anhand eines repräsentativen Warenkorbs ermittelt.

Die EZB begründet ihren Niedrigzins unter anderem mit einer zu geringen Inflation. Können deutsche Sparer jetzt auf rascher steigende Zinsen hoffen?

Schröder: Die Europäische Zentralbank orientiert ihre Geldpolitik nach eigenen Aussagen vorrangig daran, ob die Inflationsrate stark von einer „Normalinflation“ von zwei Prozent abweicht. Derzeit liegt die Inflationsrate zwar ebenfalls leicht über zwei Prozent, allerdings ist für das gesamte Jahr 2018 im Durchschnitt noch ein Wert von klar unter zwei Prozent realistisch. Die Prognosen für 2019 liegen bei zwei Prozent oder knapp darunter. Für die Europäische Zentralbank rückt damit der Zeitpunkt einer Normalisierung der Geldpolitik immer näher. Die kurzfristigen Zinsen dürften im Laufe des kommenden Jahres angehoben werden. Allerdings dürften die kurzfristigen Zinsen nur geringfügig erhöht werden, da die EZB auch die Stabilität des europäischen Bankensystems im Blick hat. (BILD: zew)

Das Interview führte Frank Schumann