Wirtschaft

Ein Paukenschlag

Die Anklage gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn und seine Mitarbeiter gleicht einem Paukenschlag. Die Braunschweiger Staatsanwälte haben lange ermittelt, für manche zu lange. Doch in Deutschland lässt die Justiz die Großen nicht laufen, wie schon vermutet wurde. Bis zu zehn Jahre Haft drohen Winterkorn, wenn die Vorwürfe vom Gericht bestätigt werden sollten. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung, so schwer es vielleicht auch fallen mag.

Nun darf der Betrachter gespannt abwarten, ob die Ermittler auch noch andere prominente Vertreter des Konzerns überführen können. Doch das ist nur die individuelle Betrachtung des Verfahrens. Schwerer wiegen womöglich die Folgen für Volkswagen, sollte am Ende eine höchstrichterliche Bestätigung des Betrugsvorwurfes stehen. In zahlreichen Verfahren erwehrt sich der Konzern Rückgabe- und Schadenersatzforderungen seitens seiner Kunden. Bislang ist VW in Deutschland dabei mit einem blauen Auge davongekommen. Das könnte sich ändern, etwa, wenn die Verbraucherzentralen und der ADAC ihre Musterfeststellungsklage gegen das Unternehmen gewinnen.

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um einen Vergleich mit den betroffenen Fahrzeughalter herbeizuführen. Das wäre teuer, aber kalkulierbar. Und es wäre endlich einmal ein ernst zu nehmender Versuch, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.