Wirtschaft

Deutsche Bank Vorstandschef Christian Sewing sieht Institut trotz bescheidenem Gewinn auf gutem Weg / Kosten und Stellenzahl sollen weiter sinken

„Ein Stück mehr Normalität“

Archivartikel

Frankfurt.Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing blockt beharrlich alle Fragen ab. Aussagen zu einer möglichen Fusion mit der Commerzbank, über die seit Wochen spekuliert wird und an der offenbar auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Interesse hat, weicht der 48-Jährige bei seiner ersten Jahres-Pressekonferenz am gestrigen Freitag konsequent aus:. „Wir haben alle Ziele 2018 übererfüllt. Das gibt uns Zuversicht, dass wir das auch 2019 schaffen. Darauf konzentrieren wir uns. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken.“

Elf Cent Dividende

Sewing, der seit April 2018 an der Spitze der Bank steht, sieht sein Haus auf dem richtigen Weg. Obwohl die Zahlen nicht überragend sind. Zwar hat die Bank mit 341 Millionen Euro den ersten Nettogewinn seit 2014 verbucht. Aber Beobachter hatten deutlich mehr erwartet. An der Börse rutschte der Kurse der Aktie gestern um mehr als vier Prozent ab. Auch weil die Bank im vierten Quartal einen Verlust von 400 Millionen Euro hinnehmen musste, wegen der „extrem schwierigen“ Lage an den Kapitalmärkten, sagt Sewing. Es war ein Rückschlag. Trotzdem will die Bank den Aktionären wieder eine kleine Dividende von elf Cent zahlen.

Der Vorstandschef lässt sich weder von der Talfahrt der Aktie noch vom schlechten vierten Quartal und den anhaltenden Fusionsspekulationen beirren. „Wir schreiben trotz Gegenwind wieder schwarze Zahlen. Das bedeutet wieder ein Stück mehr Normalität für unsere Bank.“ Das Ergebnis habe man 2018 um mehr als eine Milliarde gesteigert. 2017 hatte die Bank noch einen Verlust von 735 Millionen Euro hinnehmen müssen. Seit 2015 waren es fast zehn Milliarden Euro.

Auf der Habenseite verbucht der Bank-Chef den Abbau von 6000 Arbeitsplätzen auf weltweit rund 91 700. Bei der Postbank wurden 160 Niederlassungen geschlossen. All das führt zu Kosteneinsparungen von einer Milliarde Euro. „Wir haben eine neue Form von Kostendisziplin.“ Ob davon auch die Zahlung von Boni auch für den Vorstand betroffen ist, sagt Sewing nicht.

Um 66 Milliarden Euro hat die Bank ihre Liquiditätsreserven auf jetzt 259 Milliarden Euro aufgestockt, die Kapitalquote habe man auf einen Spitzenwert erhöht, die Kredit- und Marktrisiken seien so gering wie nie zuvor. Auch bei den Rechtsrisiken sieht sich die Bank fast schon in einer komfortablen Lage. „Anfang 2016 entfielen auf die 20 größten Fälle fast 90 Prozent unserer Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten“, sagt Rechts-Vorstand Karl von Rohr. „19 dieser 20 Fälle sind inzwischen ganz oder teilweise abgeschlossen“.

Die Rückstellungen hat man 2018 um 800 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro reduziert. Ende 2016 waren es noch 7,6 Milliarden. Weder aus mutmaßlichen Geldwäschefällen noch aus der möglichen Unterstützung von Kunden bei der Flucht in Steuerparadiese oder die mutmaßliche Verwicklung in fragwürdige Steuergeschäfte mit Dividenden (Cum-Ex) erwartet die Bank finanzielle Belastungen. Man habe bei internen Kontrollen keinerlei Hinweise auf ein Fehlverhalten gefunden – also wurden auch keine Rückstellungen gebildet.

Rendite niedrig, Aufwand hoch

Sewing sieht alle Sparten der Bank auf dem richtigen Weg. „Auch wenn wir natürlich noch nicht da sind, wo wir hinwollen“, schränkt er ein. Die Integration der Postbank laufe, die Investmentbank habe man konsequent auf ihre Stärken ausgerichtet. „Die Deutsche Bank bleibt ein relevanter Partner für multinationale Unternehmen.“ Gerade habe er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos viel Zuspruch erfahren. „Deutsche und internationale Konzerne setzen auf die Deutsche Bank. Sie wollen eine europäische Alternative zu amerikanischen Banken.“ Jetzt soll das Geldhaus wieder rentabel wachsen, und das aus eigener Kraft. „Es beginnt eine neue Phase – und zwar des kontrollierten Wachstums.“

Sewing appelliert an die von ihm bei seinem Amtsantritt postulierte „Jägermentalität“ der Beschäftigten:. „So weitermachen“, fordert er. Die Rendite soll von mageren 0,5 Prozent 2018 auf vier Prozent steigen. Wozu auch der Abbau von weiteren rund 2000 Stellen auf weniger als 90 000 beitragen soll. Und auch die Aufwandsquote soll nach unten. Immer noch muss die Bank für die Einnahme von einem Euro 93 Cent aufwenden. „Wir haben es selbst in der Hand“, hofft Sewing auf ein baldiges Ende der negativen Nachrichten.

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