Wirtschaft

Landwirtschaft Dürreschäden bei Raps, Getreide, Kartoffeln, Rüben und Mais / Bauernpräsident will eine Milliarde Euro Entschädigung

„Einbußen bis zu 40 Prozent“

Archivartikel

Rhein-Neckar.Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd redet nicht lange um den, nun ja, heißen Brei herum: „Es gibt zurzeit keinen Landwirt und keinen Winzer, der sich nicht Regen wünscht.“ Denn die Hitze der vergangenen Wochen macht nicht nur Menschen und Tieren zu schaffen – in der Landwirtschaft gefährdet sie auch Existenzen. Darum will sich die Bundesregierung morgen mit den Auswirkungen der Dürre befassen. Vorab sollen heute Vertreter von Bund und Ländern über Konsequenzen beraten.

Am stärksten mit Ernteeinbußen und Einnahmeausfällen zu kämpfen haben die Bauern im Norden und Osten der Republik. Doch auch in der Region hinterlässt die schier endlose Hitzewelle ihre Spuren. Allerdings sind die Auswirkungen je nach Erzeugnis und Lage sehr unterschiedlich.

„Bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais wird es Einbußen geben“, schildert Köhr die Situation im südlichen Rheinland-Pfalz. Wie hoch diese seien, lasse sich aber noch nicht seriös sagen, weil Niederschlagsmengen und Bewässerungsinfrastruktur von Ort zu Ort verschieden seien und die Ernte noch nicht abgeschlossen.

Bei Äpfeln und Birnen rechnet der Experte dagegen mit guten Erträgen, ebenso beim Wein: „Die Reben stehen am besten da, weil sie tief wurzeln und ihr Gesundheitszustand durch die Hitze optimal ist.“ So beginne die offizielle Traubenlese dieses Jahr nicht nur am 6. August, und damit so früh wie noch nie, sondern lasse auch einiges versprechen: „Im Moment haben wir das Potenzial für einen tollen Jahrgang.“

Guter Wein-Jahrgang erwartet

Nicht so gut sieht es jedoch bei anderen landwirtschaftlichen Produkten aus: „Beim Raps haben wir extreme Schwierigkeiten“, sagt Hans Hermann Harpain, stellvertretender Generalsekretär des hessischen Bauernverbands, „da haben wir Einbußen zwischen zehn und 40 Prozent.“ Und beim Getreide sei es stellenweise nicht viel besser: „Da liegen die Einbußen bei etwa zehn bis 30 Prozent.“ Dass das Auswirkungen auf den Brotpreis hat, glaubt Harpain aber nicht: „Bei einem Brötchen macht der Getreidepreis gerade einmal einen Cent aus.“ Selbst eine Verdoppelung hätte also überschaubare Auswirkungen. Zu spüren bekämen allerdings die Viehbauern, dass es dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deutlich weniger Grünfutter gebe. Es sei absehbar, dass sie teures Futter zukaufen müssten – oder die Zahl ihrer Tiere verringern.

„Alles andere ist schwer vorherzusagen, weil die Ernte noch nicht beendet ist“, sagt Harpain. Das sieht man auch in Baden-Württemberg so: Der dortige Landesbauernverband will sich erst Ende August zu den Auswirkungen der Hitze äußern.

Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, ist da weniger zurückhaltend. Er appelliert an die Politik, die betroffenen Betriebe finanziell zu unterstützen: „Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Das Bundesagrarministerium bekräftigte indes, dass über besondere Bundeshilfen erst nach der für Ende August geplanten Abschlussbilanz der Ernte entschieden werden soll. Zuerst liegt die Zuständigkeit für Unterstützungsangebote bei den Ländern, die Zuschüsse geben können. Als Hilfen möglich sind unter anderem Darlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank, zudem können ökologische Vorrangflächen ausnahmsweise bewirtschaftet werden. Erst wenn Schäden von „nationalem Ausmaß“ festgestellt werden, kann auch der Bund Finanzhilfen leisten. Zuletzt war dies 2003 wegen einer Dürre der Fall und 2013 wegen Hochwasserschäden. (mit dpa)

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