Wirtschaft

Eine krumme Front

Archivartikel

Nach den Europäern sind wieder die Chinesen dran: Mitte dieses Monats will Donald Trumps Regierung eine Liste chinesischer Produkten vorlegen, die von hohen Strafzöllen betroffen sein sollen. An diesem Wochenende fliegt US-Handelsminister Wilbur Ross nach Peking, um mit der chinesischen Führung zu verhandeln. Diese will den Handelskrieg immer noch abwehren. Trump hat derweil ungerührt noch eins draufgesetzt und für Ende des Monats zusätzliche Strafen angekündigt. Eine erste Runde von Zöllen auf Stahl und Aluminium aus China gelten bereits.

China kämpft genauso mit der protektionistischen und unberechenbaren US-Führung wie Europa. Damit entsteht eine höchst unübersichtliche Gemengelage. Denn Trump bestraft die Chinesen für Ideenklau und Billig-Export – und genau das hat auch viele europäische Länder lange gestört. Nach Interpretation einiger Diplomaten und Ökonomen überwiegen sogar die gemeinsamen Interessen von EU und USA. Dieser Sichtweise zufolge ist Trump dafür zu loben, bei den Chinesen plötzlich Verhandlungsbereitschaft geschaffen zu haben. Tatsächlich öffnet Peking derzeit den eigenen Markt so konsequent wie schon lange nicht mehr, wovon auch Deutschland profitiert. So hat Präsident Xi die Senkung von Zöllen auf Tausende von Produktgruppen angeordnet.

Doch es ist auch Misstrauen angesagt. Die chinesische Führung will die Handelskanäle zu Europa schon deshalb weiter öffnen, um einen Absatzkanal für die drohende Überproduktion zu haben – wenn nämlich die US-Zölle in Kraft treten. Dann könnten die Preise für Stahl weiter unter Druck geraten, was zur Unzeit käme. Aus deutscher Sicht gibt es damit vollends keine klare Frontlinie mehr, sondern höchstens ein unübersichtliches Feld von Bündnissen und Konfliktlinien. Die Interessen fallen teils zusammen, teils streben sie auseinander.

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