Wirtschaft

Venezuela Internationaler Währungsfonds vergleicht Krise mit Preisverfall in der Weimarer Republik

Eine Million Prozent Inflation

Archivartikel

Washington.Das von einer schweren Wirtschaftskrise geplagte Venezuela steuert nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf eine Inflation von einer Million Prozent bis zum Ende 2018 zu. Die Entwicklung in dem Land sei vergleichbar mit dem Preisverfall in der Weimarer Republik in Deutschland im Krisenjahr 1923, erklärte der IWF in einem Ausblick für lateinamerikanische Staaten.

In der IWF-Prognose vom April war für den sozialistischen Staat noch von einer Inflation von 13 000 Prozent bis Ende des Jahres ausgegangen worden. Bereits damals nannte der Autor des Berichts, IWF-Analyst Alejandro Werner, die Krise eine der größten in der Geschichte der modernen Wirtschaft.

Im aktuellen Bericht schätzt der IWF, dass die Regierung unter Präsident Nicolás Maduro weiterhin Haushaltsdefizite durch eine Ausweitung der ausgegebenen Geldmenge finanzieren wird – was die Inflation noch weiter beschleunigt, so Werner. Zudem prognostizierte er einen Fall des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2018 um 18 Prozent. Im April war er noch von 15 Prozent ausgegangen.

Eine Ursache dafür sei ein bedeutender Rückgang der Ölproduktion in Venezuela. Die Entwicklung in Venezuela wecke Erinnerungen an die Hyperinflationen in Deutschland, so Werner. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg (1914-1918) finanzierten sich abwechselnde Regierungen in der Weimarer Republik die gewaltigen Kriegsfolgekosten mit Schulden und einem höheren Papiergeldumlauf. Statt finanzpolitisch zu handeln, ließen die Regierungen Banknoten drucken. Wegen Misswirtschaft, Korruption und des relativ niedrigen Ölpreises leidet Venezuela seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Es fehlt an Devisen, um Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. dpa