Wirtschaft

Eine Sackgasse

Archivartikel

Ein glücklicher Moment war das, gesellschaftlich betrachtet. 2011 beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit, die Atomkraftwerke in Deutschland bis Ende 2022 abzuschalten. Würde diese Entscheidung heute zurückgedreht, wäre das für die Zukunft des Landes gefährlich. Trotzdem versuchen einige CDU-Politiker, den Atomausstieg in Frage zu stellen, unter anderem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Tilman Kuban, der Chef der Jungen Union.

Sie vergessen dabei, dass der Beschluss von 2011 eine bittere Auseinandersetzung beendete, die die bundesdeutsche Gesellschaft 40 Jahre lang gespalten hatte. Hunderte Demonstranten und Polizisten waren beim Widerstand gegen die Atomkraft verletzt worden, bis endlich Frieden einkehrte. Wer heute auf die vermeintlich saubere Atomenergie setzt und sie als Alternative zu klimaschädlichen Kohlekraftwerken anpreist, ignoriert, dass Deutschland bisher einfach Glück gehabt hat. Hier kam es zu keinem schweren Atomunfall wie in Tschernobyl, Fukushima oder Harrisburg. Auch sollte man sich in Erinnerung rufen, dass die Endlagerung des strahlenden Atommülls komplett ungelöst ist. In einem komplizierten und langwierigen Verfahren hat sich die Bundespolitik gerade erst wieder auf den Weg gemacht, den richtigen Platz für eine Atomdeponie in Deutschland zu finden.

Und schließlich gibt es außer den alten Anlagen, die auch hierzulande noch Kernenergie herstellen, keine in der Praxis anwendbaren neuen, sicheren, kleinen Atomkraftwerke. Kernkraft ist eine Pseudo-Lösung. Stromproduktion auf ihrer Basis ersetzt eine gigantische Gefahr durch eine andere – Klimakollaps durch Verstrahlung. Es hat keinen Sinn, eine Sackgasse zu verlassen, indem man in eine andere einbiegt.

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