Wirtschaft

Elektro EU-Kommission will einen einheitlichen Ladestecker für alle Geräte einführen, aber Hersteller Apple blockt ab

Einer soll für alle passen

Archivartikel

Brüssel.Der Kabelsalat soll ein Ende haben. Seit fast elf Jahren hat sich die Brüsseler EU-Kommission dieses Ziel auf die Fahnen geschrieben. Immerhin, so rechnete die Behörde 2014 aus, gehe es um rund 51 000 Tonnen Elektromüll, die vermieden werden könnten, wenn die Hersteller von Tablets, e-Readern und Mobiltelefonen sich auf einen einheitlichen Stecker einigen würden.

Mitte Januar dieses Jahres machte das Europäische Parlament Druck. „Die Kommission muss Führungsstärke beweisen und dafür sorgen, dass nicht Tech-Giganten uns Standards diktieren“, erklärte die polnische Vize-Vorsitzende des Binnenmarkt-Ausschusses, Róza Thun und Hohenstein von den Christdemokraten. Maros Sefcovic, zuständiger Vizepräsident der EU-Behörde, kündigte daraufhin für Februar die Ergebnisse einer Studie an, die die Möglichkeiten eines Standards für Ladegeräte klären soll.

Sein Haus werde dann erneut „regulatorische und nicht-regulatorische Möglichkeiten prüfen“, um die Industrie zur Einführung eines Standards zu bewegen. Derzeit sind drei Anschluss-Arten im Umlauf: Moderne Samsung- und Google-Geräte setzen auf USB-C, Huawei auf Mikro-USB, während alle iPhones seit einigen Jahren mit dem hauseigenen und von Apple patentierten Lightning-Anschluss daherkommen. Das war schon einmal anders.

Als 2009 zum ersten Mal von einer Vereinheitlichung die Rede war, gab es bis zu 30 unterschiedliche Anschlüsse. Insgesamt 14 Hersteller einigten sich damals mit Brüssel auf eine Selbstverpflichtung. Diese wurde 2012 erneuert. So wurde eine deutliche Reduzierung der Steckersysteme erreicht. Zudem boten die Handy-Bauer vor der Übereinkunft fast ausschließlich Ladegeräte mit fest verbundenem Kabel an. Heute sind die meisten Adapter mit einer USB-Anschlussbuchse ausgestattet, so dass auch andere Verbindungskabel zum Mobiltelefon genutzt werden können. Trotzdem ließ Apple jetzt nur eine Woche verstreichen, um dann mitzuteilen, ein einheitlicher und verpflichtender Standard würde „Innovation behindern, statt dazu zu ermutigen“. Apple verwies auf die Vergangenheit: Hätte die EU-Kommission nämlich vor elf Jahren den damals als fortschrittlich geltenden Micro-USB-Anschluss vorgeschrieben, wäre die Entwicklung, die zu USB-C und Lightning geführt hätte, nicht möglich gewesen. Im Übrigen werde ein jetzt festgelegter Standard dazu führen, dass etliche tausend Tonnen von Elektromüll anfielen, weil bisherige Ladegeräte und Kabel entsorgt würden.

In den Fach-Foren im Internet wird diese Argumentation eher als vorgeschoben bezeichnet. Denn der US-Konzern arbeitet längst an kabellosen Aufladegeräten. Das iPhone der Zukunft soll ohne Ladebuchse daherkommen und nur per WLAN, Mobilfunk und Bluetooth mit der Außenwelt kommunizieren, heißt es. Auch andere Hersteller forschen in diese Richtung. Eine Verpflichtung auf ein neues Steckersystem aus Brüssel wäre da wohl eher hinderlich. Aus dem Umfeld der Kommission wiederum ist zu hören, dass man am liebsten „eine vernünftige Selbstverpflichtung“ hätte.

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