Wirtschaft

Finanzen Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof stimmt die Belegschaft auf „noch mehr harte Entscheidungen“ ein

Einstand in schweren Zeiten

Archivartikel

Frankfurt.Über konkrete Schritte lässt sich Manfred Knof nicht aus. Da müsse er noch um ein wenig Geduld bitten, schreibt der neue Chef der Commerzbank an seinem ersten Arbeitstag in einem Brief an die Beschäftigten. Kern aber sei, die Bank nachhaltig profitabel zu machen. „Nur wenn uns das gelingt, können wir unsere Zukunft selbst gestalten“, so der 55-Jährige.

Wichtigste Voraussetzung dafür sei Kundenzufriedenheit. Knof stellt klar, dass eine tiefgreifende Transformation notwendig sein wird. Das werde nicht bequem und „mit noch mehr harten Entscheidungen und weiteren Restrukturierungsmaßnahmen verbunden sein“. Aber die seien, so der neue Bank-Chef, nötig. „Je schneller wir damit beginnen umso besser“.

„Letzte Chance“ für das Geldhaus

Der Druck auf den ehemaligen Privatkundenchef der Deutschen Bank ist gewaltig. Spätestens am 11. Februar, wenn das Institut die Bilanz für 2020 auf den Tisch legt, wird sich der 55-Jährige konkreter äußern müssen, wie die zweitgrößte deutsche private Geschäftsbank aus dem Tief herausfinden soll. Aufsichtsratschef Jörg Vetter hat Knof schließlich dafür von der Frankfurter Taunusanlage in die Zentrale der Commerzbank am Kaiserplatz in der City geholt. Er sei, so heißt es in Finanzkreisen, die letzte Chance für die Commerzbank.

Er habe in den vergangenen Wochen bereits viele ausgezeichnete Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, versucht Knof Zuversicht zu verbreiten. Er sei beeindruckt, wie die Bank die immensen Herausforderungen der Pandemie bewältige. Und appelliert an das Teamwork. Man müsse die Transformation gemeinsam meistern. Unabhängig von Hierarchien sollten sich die besten Ideen durchsetzen. „Sagen Sie mir ehrlich, wo Sand im Getriebe ist und was wir für unsere Kunden besser machen können.“

Es war ein Coup, als Vetter Ende September die Spekulationen um den Nachfolger für den glücklosen Martin Zielke beendete und Knof zum 1. Januar auf den Chefsessel berief. Zielke hatte im Juli nach gut vier Jahren an der Spitze – wie auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann – vor allem auf Druck von Großaktionär Cerberus das Handtuch geworfen. Knof war erst im August 2019 zur Deutschen Bank gekommen. Davor hatte der promovierte Jurist mehr als zehn Jahre in führenden Positionen für den Versicherungskonzern Allianz gearbeitet, davor für die Dresdner Bank, die 2009 von der Commerzbank übernommen worden war. Die Übernahme hatte die Commerzbank auch wegen der Finanzkrise in eine schwere Schieflage gebracht. Nur mit Hilfe des Bundes konnte sie gerettet werden. Er ist heute mit knapp 16 Prozent größter Aktionär der Bank und sitzt rein rechnerisch wegen der Talfahrt des Aktienkurses auf einem Verlust von mehreren Milliarden Euro.

Immense Verluste erwartet

In den ersten neun Monaten 2020 musste die Commerzbank einen Netto-Verlust von minus 162 Millionen Euro verbuchen. Im November schätzten Analysten den Verlust für das gesamte Jahr 2020 im Schnitt auf 323 Millionen Euro, im schlechtesten Fall sogar auf 608 Millionen Euro. Auch 2021 werde die Bank mit 111 Millionen Euro im Minus stecken.

Bei diesen Schätzungen allerdings waren die Ende Dezember beschlossenen zusätzlichen Restrukturierungsaufwendungen von 610 Millionen Euro noch nicht bekannt. Nach der Vereinbarung mit dem Konzernbetriebsrat bucht sie Finanzchefin Bettina Orlopp noch im Geschäftsjahr 2020 und spricht von „einer Basis für zwingend notwendige künftige Einsparungen“. Die Folge: Der Verlust könnte sich auf mehr als eine Milliarde Euro ausweiten.

Insgesamt liegen die Kosten für den Umbau der Bank und den Abbau von 2900 Vollzeit-Arbeitsplätzen bis 2024 bei mehr als 800 Millionen Euro. Brutto will das Geldhaus 4300 Stellen streichen. Spekulationen zufolge könnten sogar bis zu 10 000 Jobs wegfallen. Ende September zählte die Bank weltweit noch gut 47 500 Voll- und Teilzeit-Beschäftigte, davon rund 33 400 in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat die Bank zudem 200 ihrer 1000 Filialen gestrichen. Weitere 200 derzeit wegen Corona geschlossene Ableger stehen auf der Kippe.

Schwierig wird es für Knof auch, weil Experten in der Folge der Corona-Pandemie mit einer Pleitewelle rechnen. Das dürfte auch die Banken treffen, zumal ein Institut wie die Commerzbank, das stark im Mittelstand und im Handel engagiert ist.

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