Wirtschaft

Auto Produktionsbeginn des Geländewagen Grandland X steht für den Wandel bei dem Autobauer / Umstrukturierung zahlt sich nach langen Jahren der Krise aus

Eisenach als Vorbild für alle Opel-Werke

Archivartikel

Eisenach.Opel-Chef Michael Lohscheller klingt geradezu euphorisch, 1400 Beschäftigte im Eisenacher Werk könnten in eine rosige Zukunft schauen. Mit dem SUV Grandland X läuft seit Mittwoch das, so Lohscheller, zukunftsträchtigste Opel-Modell vom Band. „Das ist ein großartiger Tag“, schwärmt der Manager. Das erste Opel-Werk werde umgestellt auf die Zukunft. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow applaudiert. „Das Opel-Werk gehört zu Eisenach wie die Wartburg und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor weit über die Region hinaus“.

Alles gut bei Opel zwei Jahre nach der Übernahme durch den französischen Autokonzern PSA? Noch lange nicht, räumt Lohscheller auf der Wartburg ein. „Eine Menge hat sich zum Guten geändert. Wir sind eine komplett andere Firma“, sagt er. Man sei aber längst noch nicht da, wo Opel hin wolle, sagt Lohscheller. Wenn ein Unternehmen wie Opel 18 Jahre lang nur Verluste schreibe, sei es nicht lebensfähig. „Das haben wir komplett geändert“. 860 Millionen Euro Betriebsgewinn 2018, 700 Millionen im ersten Halbjahr 2019, ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. „Wir sind schon jetzt kurz davor, die Renditeziele zu erfüllen, die wir uns erst für 2026 gesteckt haben“.

Paris macht Druck

Der Druck aus Paris ist freilich enorm. Das macht Yann Vincent, globaler Produktionschef bei PSA, in Eisenach deutlich. Bei maximal zehn Prozent des Umsatzes sollen die Lohnkosten der einzelnen PSA-Werke liegen, bei Opel sind es noch knapp elf Prozent. Pro produziertem Auto sollen die Kosten bei höherer Qualität bis 2021 um 700 Euro gesenkt werden. Auch durch Druck auf die Zulieferer. „Wir kämpfen wie die Hölle, um die Kosten nach unten und die Qualität nach oben zu bringen“, sagt Vincent. Auf der Basis der Vereinbarungen mit Arbeitnehmern sei das möglich. Das Werk in Eise-nach, wo seit 1990 mehr als drei Millionen Fahrzeuge gebaut wurden, betrachten Vincent und Lohscheller als erfolgreiches Beispiel. In nur zehn Wochen wurde die Fabrik umgerüstet von der Produktion des Kleinwagens Adam auf den Bau des Grandland X. Der kann jetzt auf einer Linie sowohl als Benziner, Diesel, Hybrid als auch als reines Elektrofahrzeug vom Band laufen. Lohscheller will Opel bis 2024 „elektrisch“ machen. Was in Eisenach passiert ist, soll in allen Werken umgesetzt werden: Noch stärkere Automatisierung, eine effizientere Flächennutzung, die Platz schafft für Zulieferer, die jetzt vor Ort montieren. Ein anderes Lackierverfahren reduziert CO2-Emissionen und Wasserverbrauch.

Der Abbau von 3700 Stellen über freiwillige Angebote bei Opel in Deutschland ist beschlossen . In Eisenach sollen bis zu 200 der 1400 Beschäftigten ausscheiden.

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