Wirtschaft

Brennstoffzelle Forscher aus Baden-Württemberg arbeiten an emissionsfreiem Fliegen / Strecken von 1300 Kilometern auf dem Testprogramm

Elektromobilität für die Luft

Stuttgart.Die HY4 gleicht mit ihren zwei schlanken Rümpfen eher einem Katamaran als einem Jet. Oder man denkt an zwei Flugzeuge, die an der Tragfläche zusammengewachsen sind. In der Mitte befinden sich der Elektromotor und der Propeller, rechts und links davon je eine Fahrgastkabine.

Dahinter verborgen ist die Technik, die viele für die Zukunft des Fliegens halten: eine Brennstoffzelle, Wasserstofftanks und Batterien. „Das System funktioniert“, bilanziert Josef Kallo, der Koordinator Elektrisches Fliegen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Erfahrung aus 30 Testflügen. Der weltweit wachsende Flugverkehr hat ein zunehmendes Problem, seit die Gesellschaft verschärft über den Klimaschutz diskutiert. Elektrisches Fliegen könnte da ein Ausweg sein, ohne Lärm, ohne Ruß und ohne Kohlendioxidausstoß. Das einzige Nebenprodukt ist Wasserdampf. HY4 ist eine realistische Alternative für sauberes Fliegen ohne Reue in Zeiten von Flugscham. „Die gesellschaftliche Debatte hilft uns. Wir erleben einen Aufschwung“, sagt Kallo. Es werde leichter, das Geld für das Projekt und gute Leute für das 50-köpfige Team zu bekommen.

145 Stundenkilometer schnell

Die HY4 war 2016 weltweit das erste Passagierflugzeug, das von einer Brennstoffzelle mit 80 Kilowatt Leistung angetrieben wurde. Die produziert aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom für den Elektromotor. Ihre Leistung reicht für eine Reisegeschwindigkeit von 145 Stundenkilometern, für Start und Steigflug ist zusätzliche Energie aus den Hochleistungs-Akkus notwendig. Der Flieger aus ultraleichten Verbundfasern bietet Platz für den Piloten und drei Passagiere.

Nach einer Überarbeitung stehen derzeit Non-Stop-Flüge über 1300 Kilometer auf dem Testprogramm. Das eigens gegründete Projektteam H2Fly, dem neben der DLR die Uni Ulm, der Flughafen Stuttgart und der slowenische Flugzeugbauer Pipistrel angehören, setzt auf die Brennstoffzelle. Der Antrieb sei leichter und biete größere Reichweiten als eine große Batterie.

„Mit der HY4 wollen wir Elektromobilität in die Luft bringen“, sagt Kallo. Das Projekt sei auf einem „sehr guten Weg, diesen Antrieb für die Luftfahrt zu qualifizieren“. Deutschland sieht der Forscher im weltweiten Wettbewerb um den emissionsfreien Flieger „noch vorn“. Der Vorsprung betrage zwei, drei Jahre. Aber die Konkurrenz sei aufgewacht – sowohl in den USA als auch in China.

Gute Chancen sieht Kallo bereits heute für Lufttaxis, die über Distanzen bis 500 Kilometer zwischen Flughäfen pendeln könnten. Die Hälfte der jährlich 46 Millionen Fluggäste in Frankfurt fliege Strecken von weniger als 800 Kilometern. Solche Reichweiten könnten problemlos mit Brennstoffzellen bewältigt werden. Das DLR-Team will bis nächstes Jahr einen Antrieb mit 250 Kilowatt entwickeln, der die Grundlage auch für größere Flieger mit 20 Sitzen bilden soll. „Die heutige Grenze des wirtschaftlich Machbaren ist ein 40- bis 60-Sitzer mit einer Reichweite von 2000 Kilometer“, so Kallo.

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