Wirtschaft

Energie Konzern will Pumpspeicherkraftwerk Atdorf im Südschwarzwald doch nicht bauen / Baden-Württembergs Umweltminister Untersteller bedauert Entscheidung

EnBW gibt umstrittenes Milliarden-Projekt auf

Karlsruhe.Das riesige Pumpspeicherkraftwerk Atdorf im Südschwarzwald steht vor dem Aus. Das Milliardenprojekt werde nicht weiter verfolgt, teilte der Energieversorger EnBW gestern in Karlsruhe mit. Nach der Auswertung eines dreiwöchigen Erörterungstermins sei man zu dem Schluss gekommen, dass weitere kosten- und zeitintensive Planungsarbeiten nötig wären und ein Zeitpunkt für die Umsetzung ungewiss sei. Zudem seien die energiewirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ungünstig.

Gebaut werden sollte das Kraftwerk von der Schluchseewerk AG, einem Tochterunternehmen von EnBW und RWE. Der Energieriese aus Nordrhein-Westfalen hatte sich bereits 2014 von dem Projekt verabschiedet. Das 1,6 Milliarden Euro teure Vorhaben war von Anfang an umstritten. Gemeinden, Umweltverbände und Bürgerinitiativen lehnten es ab. Den 2008 begonnenen Planungen zufolge sollten unter anderem eine 75 Meter hohe Staumauer und zwei künstliche Seen gebaut werden.

Der Umweltverband BUND reagierte erfreut. "Dass die EnBW AG davon abgekommen ist, das Pumpspeicherwerk Atdorf inmitten streng geschützte Natur zu bauen, ist eine gute Nachricht für Mensch, Umwelt und Natur vor Ort", teilte Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch mit. Durch die Anlage hätten viele sehr seltene Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum unwiederbringlich verloren. Vor allem die Eingriffe in den Wasserhaushalt des Gebiets wären aus BUND-Sicht schädlich gewesen.

Kooperation mit Batteriehersteller

Für Energie- und Umweltminister Franz Untersteller kommt die Entscheidung nicht unerwartet. Sie sei bedauerlich, teilte der Grünen-Politiker in Stuttgart mit. Er hätte sich gewünscht, dass die EnBW und ihr Tochterunternehmen einen Weg gefunden hätten, die Planung erfolgreich zu beenden.

Die CDU-Landtagsfraktion hält die Entscheidung für falsch. "Wir brauchen jeden Speicher, den wir realisieren können", teilte Fraktionschef Wolfgang Reinhart mit. Benötigt würden Rahmenbedingungen, die das Speichern wieder attraktiv machten.

EnBW will bei Speichertechnologien jetzt neue Prioritäten setzen. Unter anderem kooperiert das Unternehmen beim Bau eines Lithium-Ionen-Speichers in Heilbronn mit Bosch. Allerdings werde der Ausbau von bestehenden Pumpspeicherkraftwerken an anderen Orten, etwa in Forbach im Schwarzwald, weiter vorangetrieben.

Pumpspeicherkraftwerke können zur Sicherheit der Versorgung beitragen. Wenn mehr Strom zur Verfügung steht, als gebraucht wird, befördern Pumpen Wasser von einem unteren in ein höher gelegenes Becken. Wenn Strom im Netz fehlt - weil zum Beispiel weder Wind- noch Solarstrom zur Verfügung stehen -, fließt das Wasser durch Rohre oder Schächte nach unten. Dann treiben Turbinen Generatoren an. Atdorf sollte eine Leistung von 1400 Megawatt erhalten und damit kurzfristig so viel Strom produzieren können wie ein großes Atomkraftwerk. (dpa)