Wirtschaft

Jubiläum Ehemaliger Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wird morgen 80 / Einstige Tarifkontrahenten zollen ihm Respekt

„Er kann alles, außer verlieren“

Archivartikel

Stuttgart/Uhingen.Er hat wie kaum ein anderer die Tariflandschaft der deutschen Industrie geprägt, den VfB Stuttgart saniert und die Allgaier Werke zum Vorzeigeunternehmen gemacht. Ihm wurden so viele Auszeichnungen verliehen und er saß und sitzt in so vielen Aufsichtsräten, dass es müßig wäre, auch nur einen Bruchteil aufzuzählen. Nur eines kann der Unternehmer und ehemalige Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nicht: verlieren.

„Er hat aus seiner Sicht nie verloren, in seinem ganzen Leben noch nicht – er ist immer optimistisch“, sagt Walter Riester (SPD), ehemaliger Top-Gewerkschafter und Bundesarbeitsminister, über seinen früheren Metalltarif-Kontrahenten, der morgen 80. Jahre alt wird. „Er kann gut mit Niederlagen umgehen, er hat sie immer positiv aufgearbeitet.“

Fasziniert von China

Etwa, als er nach dem Mauerfall gegen Hundt als Verhandlungsführer der Industrie die 35-Stunden-Woche durchsetzte. „Auch da hat Dieter Hundt nicht verloren“, sagt Riester. Sondern? „Die Rahmenbedingungen waren einfach außerordentlich gut für mich.“ Noch heute wird der als „harter Hundt“ bezeichnete Unternehmer beim Thema Tarife laut: „Ich halte den diesjährigen Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie gemessen an der aktuellen Gesamtsituation der Branche für sehr hoch, aber einigermaßen angemessen“, sagt Hundt. Mit einer Einschränkung: „Wenn es zu einer wirtschaftlichen Abschwächung kommt, sind die Kosten zu hoch, weil die Erhöhungen dauerhaft wirken.“

Fasziniert ist Hundt davon, was derzeit in China passiert – nicht nur, aber auch weil er Aufsichtsratsvorsitzender der Zhongde Metal Group ist, eines Unternehmens, das die Wirtschaftsbeziehungen zu China vertiefen und deutsche Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit China unterstützen soll. „Die Chinesen bemühen sich mehr und mehr, der Garant des freien Welthandels zu sein. Wenn mir das jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, hätte ich den nicht ernst genommen.“

Neben seiner neuen Leidenschaft, dem Reich der Mitte, gibt es eine, die ihn von klein auf begleitet –der Fußball und da vor allem der VfB Stuttgart. Hundt, der als Student beim Züricher Erstligisten Grasshoppers als Mittelstürmer spielte und seine Frau auf dem Fußballplatz kennenlernte, war mehr als ein Jahrzehnt lang Aufsichtsratschef des Clubs. Als der VfB 1992 Deutscher Meister wurde, saß er mit Riester mitten in Tarifverhandlungen – der Gewerkschafter hielt extra eine Champagnerflasche bereit, um mit seinem Kontrahenten auf die Meisterschaft anzustoßen.

Auch der ehemalige IBM-Deutschlandchef Erwin Staudt, der zu der Zeit VfB-Präsident war, als Hundt dem Aufsichtsrat vorstand, erinnert sich gut an den „Boss der Bosse“. Er teilt Riesters Einschätzung, dass Hundt so gut wie alles kann, außer zu verlieren. „Mit Niederlagen konnte er nichts anfangen – er hat sich lieber gefreut als geärgert“, sagt er. dpa