Wirtschaft

Erfolg mit Kehrseite

Archivartikel

Langfristiges Denken ist weder in der Wirtschaft noch in der Politik groß in Mode. Die einen scheuen wirtschaftliche Risiken und Ausgaben, die sich erst auf lange Sicht rechnen. Die anderen vermeiden unpopuläre und teure Reformen, wenn deren Erfolg erst nach der nächsten Wahlperiode zu erwarten ist. So haben beide Seiten ein Problem entstehen lassen, dass ausgerechnet durch ihren Erfolg erzeugt wird.

Die Auftragsbücher sind so voll, dass immer mehr Arbeit angeboten wird. Doch den Betrieben gehen die Fachleute aus. Selbst schnelles Gegensteuern wird Zeit für eine spürbare Wirkung brauchen. Die Vorstellung, höhere Löhne und familiengerechte Arbeitszeiten könnten den Trend umkehren, ist zu einfach. Weitaus wichtiger ist es, potenzielle Arbeitskräfte an den Bedarf heranzuführen.

Junge Eltern aus weniger privilegierten Schichten müssen beispielsweise selbst Chancen auf einen sozialen Aufstieg erhalten sowie die Aussicht, dass sich Bildung ihrer Kinder auf deren Zukunft positiv auswirkt. Auch einen zweiten Schlüssel hält der Staat in der Hand. Er ist gehalten, noch mehr für die Kinderbetreuung zu tun, damit Frauen das Berufsleben familiengerecht gestalten können. Und egal, wie man zur Zuwanderung steht: Viele der neuen Mitbürger können einen Beitrag zum volkswirtschaftlichen Erfolg Deutschlands leisten, wenn man sie dazu in die Lage versetzt.

Das sind große Aufgaben, die einen gemeinsamen Kraftakt der Gesellschaft erfordern. Aber er könnte am Ende nicht nur ihren Wohlstand sichern, sondern auch ihrer weiteren Zersplitterung entgegenwirken.