Wirtschaft

Verbraucher Produkte für Kinder sind aus Sicht der Stiftung Warentest besonders häufig mangelhaft / Digitale Spielzeuge problematisch

„Ergebnisse sind erschreckend“

Berlin.Der Fernsehkrimi „Tatort“ jagte vielen Zuschauern am vergangenen Sonntag einen Schrecken ein. Der Täter lockte kleine Kinder mittels einer manipulierten Puppe per Funk an die Haustür – mit dem Versprechen, dass er der Weihnachtsmann sei. Die Kinder gehorchten und ließen den Mörder ihrer Eltern ein. „Das geht?“, fragt Verbraucherministerin Katarina Barley (SPD) gestern bei einem Besuch der Stiftung Warentest erstaunt und hält eine digital steuerbare Hundepuppe hoch. Hubertus Primus, Chef des Hauses, bestätigt die beunruhigende „Tatort“- Vorstellung.

Primus hat gefährliche Kinderprodukte aufbauen lassen, etwa das digitale Hündchen. Aber auch bei Buntstiften, Kindersitzen, Laufrädern oder Spielschleim fallen viele Produkte durch. Das ergab eine Auswertung aller Tests von Kinderprodukten in den vergangen 24 Monaten. Mehr als jedes vierte erwies sich als mangelhaft. „Kinderprodukte schneiden in puncto Sicherheit deutlich schlechter ab als alle anderen Konsumgüter“, sagt Primus. Die Liste der Gefahren ist lang.

Unter dem Bügel durchgerutscht

Jede zweite Kindermatratze fiel beispielsweise durch, weil sie zu weich war. Babys könnten ersticken, weil sie den Kopf noch nicht heben können. Sinken sie mit dem Gesicht ein, wird es für sie lebensgefährlich. Das Risiko ist bekannt, und die EU hat deshalb auch eine Sicherheitsnorm entwickelt. „Viele Hersteller haben sie allerdings nicht beachtet“, kritisiert Stiftungs-Chef Primus.

Ebenso schlecht fiel die Prüfung von Baby-Phones aus. Nur zwei von 17 Produkten erwiesen sich als gut. Insbesondere viele Geräte mit Bildüberwachung aus dem Kinderzimmer bereiten der Stiftung Sorgen. „Sie warnen nicht bei einem Verbindungsabbruch“, sagt Primus. Das Bild zeige womöglich ein friedlich schlafendes Kind, das tatsächlich weinend im Bettchen steht.

Auch im Auto sind Kinder nicht immer sicher untergebracht. Ein Kindersitz flog bei einem Frontalaufprall in hohem Bogen aus der Halterung und durch das Prüflabor. Jeder zweite Kinderhochstuhl fiel durch, weil Kinder unter dem Haltebügel hindurch hinausrutschen können und womöglich mit dem Kopf hängen bleiben. Anschnallgurte an Fahrradsitzen ließen sich kinderleicht öffnen.

Neben Sicherheitsproblemen finden die Tester auch immer wieder Chemie in für Kinder gefertigten Produkten. Zum Beispiel in Spielschleim. Fünf Packungen bestellte die Stiftung bei Amazon – keine hätte verkauft werden dürfen, sagt Primus. Weil sie zwei bis drei Mal mehr Bor enthielten als erlaubt. Das Halbmetall könne Erbrechen und Krämpfe auslösen. Krebs- und allergieauslösende Stoffe fanden sich auch in Buggys, Kindersitzen, selbst in Erstspielzeug wie Kinderwagenketten, die Babys ganz sicher in den Mund stecken. Zu Schuljahresbeginn nahmen die Experten Stifte unter die Lupe. „Wir fanden Schadstoffe, die Krebs erzeugen oder Allergien auslösen können“, sagt Primus. Jedes dritte Stifteset wurde beanstandet.

Die Verbraucherschützer fordern mehr Sorgfalt von den Herstellern. Manche rufen mangelhafte Produkte zurück, jedoch nicht alle. Angesichts der Fülle von Kinderprodukten auf dem Markt seien die amtlichen Kontrolleure mit einer flächendeckenden Überwachung überfordert, vermutet die Stiftung. „Die Ergebnisse sind erschreckend“, meint Ministerin Barley. Sie vermutet: „Bei Produkten spielt immer der Preis eine Rolle. Es wird immer die Hersteller geben, die sparen an der Sicherheit, um einen niedrigeren Preis anbieten zu können.“

Dass die Warentester oft das Etikett „mangelhaft“ vergeben, liegt aus Sicht der Spielwarenindustrie auch an den Prüfkriterien der Stiftung. Sie gingen oft über die gesetzlichen Vorgaben hinaus, an denen sich die Hersteller aber orientieren. Durchfallen kann ein Produzent auch, wenn er wie zuletzt etwa ein Bettzubehör-Anbieter von – nicht verbindlichen – DIN-Normen abweicht, um eine Matratze zu verbessern.

Auf GS-Zeichen achten

Die Stiftung dringt auf strengere Vorgaben. Für alle Kinderprodukte sollten ähnlich hohe Standards gelten, wie sie die EU als Richtlinie für Spielzeug ausgegeben hat. Dem schließt sich die Verbraucherministerin an. Zugleich lässt sie aber erkennen, dass auf nationaler Ebene nicht viel zu machen sei. Kontrollen seien nur in Stichproben möglich, zuständig ohnehin die Länder. „Gerade bei Kinderprodukten haben wir eine so große Zahl an Neuerscheinungen jedes Jahr, das ist flächendeckend überhaupt nicht zu kontrollieren.“

Die Stiftung Warentest prüft insgesamt betrachtet nur sehr wenige Produkte. Im Kaufhaus wie im Netz sollten Kunden deshalb auch auf das GS-Zeichen achten, rät Warentest-Vorstand Primus. Es belegt „Geprüfte Sicherheit“, wenn es ein externer Prüfer dem Hersteller bescheinigt – anders als beim CE-Zeichen, mit dem nur der Hersteller selbst erklärt, dass er die Vorschriften einhalte.

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