Wirtschaft

Auto Langjähriger Fiat- und Ferrari-Chef stirbt mit 66 Jahren

„Erleuchteter“ Topmanager Sergio Marchionne tot

Archivartikel

Turin.Der langjährige Chef der Autobauer Fiat Chrysler und Ferrari, Sergio Marchionne (Bild), ist tot. Das teilte Fiat gestern mit. Fiat und Ferrari hatten am Samstag bereits bekannt gegeben, dass der 66-Jährige die Posten des Vorstandschefs beim italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und bei der Tochter Ferrari aus gesundheitlichen Gründen abgeben müsse. Fiat- und Ferrari-Präsident John Elkann sagte laut Mitteilung: „Leider ist das, was wir befürchtet haben, eingetreten. Sergio Marchionne, ein Mann und Freund, ist fort.“

Nach unerwarteten Komplikationen bei einer Operation in Zürich hatte sich der Zustand des Managers so stark verschlechtert, dass er seine Arbeit als Fiat-Chef sowie als Präsident und Vorstandschef von Ferrari nicht wieder aufnehmen konnte.

Kompromisslos in der Formel 1

Marchionne galt als Visionär, aber auch als harter Verhandlungspartner für Gewerkschaften. Als Ferrari-Präsident genoss Marchionne in der Formel 1 einen Ruf als kompromissloser Manager, der den Rennstall allerdings wieder in die Spur brachte. Das Team von Pilot Sebastian Vettel hatte er öffentlich mehrmals deutlich kritisiert.

Seine markigen Sprüche waren im Laufe seiner Karriere immer wieder für eine Nachricht gut. Etwa als Vorwürfe aufkamen, auch Fiat habe bei Abgaswerten geschummelt. Damals sagte Marchionne mit Blick auf VW: „Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht.“ Sein Tod wird von vielen Menschen in Italien als das Ende einer Ära gesehen.

Der Italiener mit kanadischem Pass war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Turiner Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Zehn Jahre später fädelte Marchionne die Übernahme des ebenfalls schwer angeschlagenen US-Rivalen Chrysler ein. Seit der Fusion beider Autobauer im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent – ein Spitzenwert für die Branche.

Als wichtiges Vermächtnis Marchionnes gilt auch die Konzentration auf Nischenmarken. Zum Ende seiner Karriere bei FCA hatte der Manager auch sein letztes großes Ziel erreicht und die Schuldenfreiheit des Unternehmens für Ende Juni verkündet.

Seine Eigenschaft als jemand, der nie den Status quo akzeptiert hätte und nie mit einem „gut genug“ zufrieden war, sei in die Unternehmenskultur von Fiat Chrysler übergegangen, sagte Fiat- und Ferrari-Präsident John Elkann kurz vor Marchionnes Tod. Marchionne sei ein einmaliger, „erleuchteter“ Manager gewesen – für ihn aber in erster Linie ein wahrer Freund. dpa (BILD: dpa)