Wirtschaft

Energie Baden-Württemberg Der langfristige Umbau trägt bereits Früchte, kostet aber viel Geld

Erst gespart, dann investiert

Karlsruhe.Beim Großaktionär, dem Land Baden-Württemberg, Land ist man derzeit ziemlich zufrieden mit der Arbeit von EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux und der Entwicklung der Zahlen. Im letzten Jahr ist der Überschuss so stark gestiegen, dass mit der Ausschüttung wieder die Zinsen für die auf Pump gekauften Aktien bezahlt werden können. Als der 55-Jährige 2012 beim drittgrößten deutschen Energiekonzern antrat, ging es durch die gerade eingeleitete Energiewende in Karlsruhe erst einmal kräftig nach unten. Kein anderer Stromerzeuger hatte einen vergleichbar hohen Atomstromanteil. Inzwischen sind drei von ursprünglich fünf Kernkraftwerken abgeschaltet.

In der Not steuerte die EnBW schneller und konsequenter um als die großen Konkurrenten RWE und Eon. Zunächst hieß es sparen, sparen, sparen. Es wurden hunderte Stellen abgebaut, um finanziellen Spielraum zu schaffen für die Investition in neue zukunftsfähige Geschäftsfelder. Beim ganzen Hype um die Erneuerbaren war es aber vor allem eine konventionelle Entscheidung, die der EnBW das Überleben sicherte: Das Geschäftsfeld Netze bringt stabile Erträge und steuerte im letzten Jahr mehr als die Hälfte zum operativen Ergebnis von 2,2 Milliarden Euro bei. Gemessen am Umsatz ist der Karlsruher Konzern gut fünfmal so groß wie die MVV.

Höhere Verschuldung

Im laufenden Jahr hat die EnBW massiv in Zukunftsfelder investiert. Der Kauf des französischen Wind- und Solarunternehmens Valeco und des deutschen Telekommunikationsanbieters Plusnet soll nachhaltiges Wachstum bringen. Kurzfristig führte er aber durch die Erhöhung der Verschuldung um rund eine Milliarde Euro zu einer schlechteren Bonität. Damit ist der Konsolidierungsdruck sicher gestiegen.

Von seinem Wachstumskurs will Mastiaux nicht abrücken. Derzeit lässt er prüfen, ob die EnBW Geschäfte des Rivalen Eon übernimmt. Da geht es etwa um Ladesäulen für E-Autos. Bis Ende 2020 will der Konzern ein Netz von 1000 Hochgeschwindigkeitsladesäulen errichten, obwohl die noch auf längere Sicht Verlustbringer sind. Das wird ihm die grün-geführte Landesregierung in Stuttgart danken. Denn die braucht Erfolge in der E-Mobilität.

Zum Thema