Wirtschaft

Verkehr Brüssel sieht Wettbewerb in Gefahr

EU bremst Zug-Allianz von Siemens und Alstom

Brüssel.Die EU-Kommission hat Bedenken gegen den geplanten Zusammenschluss der Siemens-Zugsparte mit dem französischen Konkurrenten Alstom. Sie werde nun genau untersuchen, ob der Wettbewerb behindert würde und die Preise zum Nachteil von Millionen Bahnkunden steigen könnten, sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager gestern in Brüssel. Diese Prüfung soll bis 21. November abgeschlossen werden.

Der ICE-Hersteller Siemens und der TGV-Hersteller Alstom wollen mit der Fusion vor allem der starken Konkurrenz aus China Paroli bieten. Sie hatten die Fusion im vergangenen Herbst angekündigt, aber bereits mit kartellrechtlichen Verzögerungen gerechnet. Beide Unternehmen rechneten weiterhin mit einem Abschluss der Fusion vor Mitte nächsten Jahres, teilten sie gestern auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Das neue Unternehmen käme auf 15 Milliarden Euro Umsatz, Aufträge im Wert von 61 Milliarden Euro sowie 62 300 Beschäftigte. Die EU-Kommission befürchtet, dass die Fusion die Auswahl der Bahnen bei Zügen und Signaltechnik massiv einschränken und Innovationen bremsen könnte. Das könnte für Bahnen und ihre Kunden zu höheren Preisen führen. Bisher standen Siemens und Alstom bei Schnell-, Regional-, Nahverkehrszügen und Signaltechnik in hartem Wettbewerb.

Gabriel steht bereit

Dass chinesische Zug- oder Signaltechnikanbieter in absehbarer Zukunft auf den europäischen Markt vordringen, erscheint der Kommission heute unwahrscheinlich. Bei Hochgeschwindigkeitszügen würden Siemens und Alstom zusammen in Europa und in großen Teilen der Welt zum unangefochtenen Marktführer aufrücken.

Siemens soll den Plänen zufolge die knappe Mehrheit an dem neuen Unternehmen bekommen. Der Hauptsitz soll bei Saint-Ouen bei Paris angesiedelt werden. Das kombinierte Unternehmen wird weiter an der Pariser Börse notiert sein. Am kommenden Dienstag wollen die Aktionäre von Alstom auf einer Hauptversammlung über das Bündnis abstimmen. Der frühere Wirtschafts- und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) soll nach bisherigen Plänen im Frühjahr 2019 in den Verwaltungsrat des neuen Zugkonzerns einziehen.