Wirtschaft

Europäische Union Brüssel will Gemeinschaftswährung auf den internationalen Märkten stärker in den Vordergrund rücken

Euro soll die Dollar-Dominanz brechen

Brüssel.Der Euro soll in den kommenden Jahren den Weltmarkt erobern – diesen Plan hat die Europäische Kommission gestern in Brüssel verkündet. „Unser Euro ist eine junge, aber auch erfolgreiche Währung“, sagte der Vizepräsident der EU-Behörde, Valdis Dombrowskis. „Es ist an der Zeit, dass der Euro nun auch weltweit mehr an Bedeutung gewinnt.“ Besonders die immer aggressiveren Strafmaßnahmen der Vereinigten Staaten seien „ein Weckruf für Europas wirtschaftliche und finanzielle Souveränität“. Bereits Ende nächster Woche sollen die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel den Vorstoß diskutieren.

Als eklatantes Beispiel für amerikanische Alleingänge wurden gestern die Sanktionen gegen den Iran genannt. Nachdem Washington den Atomdeal aufgekündigt hatte, drohte die US-Regierung den Unternehmen anderer Staaten, die ihre Geschäfte mit Teheran fortsetzen würden, Sanktionen auf dem US-Markt an. Die USA nutzen den Dollar längst nicht mehr nur als Zahlungsmittel, sondern als Machtinstrument.

Dagegen setzt Brüssel nun den Euro, konkreter die Abrechnung des Handels in Euro. In einem ersten Schritt sollen Energielieferungen, Rohstoffe und Flugzeuge schrittweise auf Euro-Preise umgestellt werden. „Mit Energieimporten von durchschnittlich 300 Milliarden Euro im Jahr ist die EU der weltweit größte Energieimporteur mit einem offenen und wettbewerbsfähigen Binnenmarkt“, sagte der für diese Themen verantwortliche EU-Kommissar Miguel Arias Canete. Dieses Gewicht könne Europa nutzen, um die Lieferungen künftig in der eigenen Währung abzurechnen.

Internationalen Zahlungsdienstleistern wie Visacard, Mastercard oder Paypal, die ihre Transaktionen auf Dollar-Basis vornehmen, will Brüssel eigene Konkurrenten entgegensetzen, die in Euro denken. Erste Gespräche hat die Kommission beispielsweise mit dem europäischen Flugzeugbauer Airbus angekündigt, der seine Maschinen weltweit verkauft, die Geschäfte aber immer noch in Dollar abwickelt.

„Schutz gegen Schocks“

„Eine breitere Nutzung des Euro in der Weltwirtschaft birgt erhebliche Potenziale, wenn es darum geht, die europäischen Bürger und Unternehmen besser vor externen Schocks zu schützen und die Widerstandsfähigkeit des internationalen Währungs- und Finanzsystems zu erhöhen“, sagte Währungskommissar Pierre Moscovici. Das klingt zwar gut, dennoch gab die Kommission auch zu, dass die Union noch weit von diesem Ziel entfernt ist. Von den rund 40 zentralen Vorschlägen der EU-Behörde seien gerade mal sieben verabschiedet worden.

Wichtigstes Beispiel für ausstehende Entscheidungen: Mit den US-Schatzbriefen stehen Anlegern weltweit als sicher geltende Dollar-Papiere zur Verfügung. In der Währungsunion gibt es keine vergleichbaren Euro-Bonds – sie werden bislang von wichtigen EU-Staaten wie Deutschland abgelehnt.

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