Wirtschaft

Prozess Einer der Hauptangeklagten im Hess-Verfahren will Entwicklungskosten in der Bilanz korrekt dargestellt haben

Ex-Vorstand verteidigt Abrechnungspraxis

Mannheim.Einer der beiden Ex-Vorstände der früheren Hess AG hat vor dem Landgericht Mannheim den Vorwurf der Bilanzmanipulation zurückgewiesen. Die Anklage wirft dem früheren Finanzchef, dem anderen ehemaligen Vorstand und einer weiteren Führungskraft vor, vor einem Börsengang mit Scheinrechnungen Umsatz und Ertrag des Lichttechnik-Herstellers künstlich erhöht zu haben.

Scheinrechnungen ausgestellt?

Strittig in dem komplexen Verfahren ist vor allem die Handhabung der Entwicklungskosten. „Die Abrechnung von Entwicklungskosten war zulässig und mit unseren Beratern abgestimmt“, sagte der ehemalige Hess-Co-Chef am Mittwoch. Die Entwicklungskosten seien als Vermögenswert in der Bilanz des Lichtspezialisten aus Villingen-Schwenningen ausgewiesen gewesen. Von Scheinrechnungen könne keine Rede sein.

Zuvor berichtete der Ex-Finanz-Chef vor der Großen Wirtschaftskammer von den hohen Entwicklungskosten für die komplexen Produkte – von Bodenstrahlern über Architekturbeleuchtung bis zu Straßenlaternen. Diese hätten sich vor allem wegen des Technologiewandels von Glühbirne zu LED erhöht. Im Mittelpunkt des Unternehmens steht eine Gießerei, in der die verschiedenen Metallteile für die Produkte entstehen. Bei jedem neuen Produkt seien im Schnitt 300 000 Euro Entwicklungskosten angefallen, erläuterte der Mann Anfang 50.

Beim Börsengang sind aus seiner Sicht keine Anleger hinters Licht geführt worden. Die Risiken aus einer hohen Verschuldung und einem negativen Cash-Flow des ehemaligen Familienunternehmens seien für jeden potenziellen Anleger transparent gewesen. „Die Schwächen waren für Investoren erkennbar.“ Nur wenige Monate nach dem Börsengang ging das Unternehmen in die Insolvenz. Das Beweismaterial zur Frage, ob der Jahresabschluss 2011 geschönt worden sei, sei von der Anklagebehörde nur unzureichend gewürdigt worden, monierte der Anwalt des Ex-Managers.

Den beiden Hauptangeklagten wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftliche Verletzung der ordentlichen Buchführungspflicht, Marktmanipulation, schwere Untreue, Kreditbetrug und unrichtige Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch vor. Der dritte Angeklagte soll die beiden unterstützt haben. Die Große Wirtschaftskammer hat zahlreiche Verhandlungstage bis Ende März angesetzt. dpa

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