Wirtschaft

Finanzen Europäische Zentralbank steckt mehr Geld in Anleihekäufe / Dax stürzt auf tiefsten Stand seit 2016 ab

EZB machtlos gegen Panik an der Börse

Archivartikel

Frankfurt.Mit einem Notfall-Paket und weiteren Finanzspritzen versucht die Europäische Zentralbank (EZB), die Banken und damit die Unternehmen in der Coronavirus-Krise zu stützen. Nach der Ratssitzung am Donnerstag betonte Präsidentin Christine Lagarde allerdings in einem dramatischen Appell, dass in der aktuellen Krise vor allem die Regierungen und alle anderen politischen Institutionen in Europa gefragt seien, nicht in erster Linie die Notenbank, um die Herausforderungen des Gesundheitswesens, die weitere Ausbreitung des Virus und die wirtschaftlichen Folgen einzudämmen.

„Stark und gemeinsam“

„Eine ambitionierte und koordinierte Antwort der Politik ist erforderlich. Sie muss jetzt agieren, stark und gemeinsam“, sagte die Französin. Die EZB werde ihren Beitrag dazu leisten. Zwar ließ der Rat der Notenbank den Leit- und den Einlagezins mit null und minus 0,5 Prozent unverändert. Er stellt aber eine weitere langfristige Kredittranche zu einem Negativzins von minus 0,5 Prozent für die Banken in Europa bereit. Darüber hinaus können die Institute unbegrenzt Mittel bei der EZB abrufen.

Davon sollen vor allem kleinere und mittlere Unternehmen profitieren, die von der aktuellen Krise besonders betroffen sind. Auch die Konditionen für ein laufendes Sonderkreditprogramm werden erleichtert mit Negativzinsen von bis zu minus 0,75 Prozent. Damit verzichtet die EZB bei der Bekämpfung der Corona-Krise bewusst auf Zinseinnahmen.

Schließlich will die Notenbank bis zum Jahresende zusätzlich für 120 Milliarden Euro vor allem Unternehmensanleihen kaufen. Das werde für vorteilhafte Finanzierungsbedingungen für die Realwirtschaft in Zeiten erhöhter Unsicherheit sorgen, was vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen zugutekommen soll. Gleichzeitig hat die bei der EZB angesiedelte Bankenaufsicht Kapitalauflagen für die Banken für einen nicht festgelegten Zeitraum erleichtert, um deren Unterstützung für die Realwirtschaft und die Unternehmen zu fördern.

An der Börse war man von diesem Notfallpaket offensichtlich enttäuscht. Der Deutsche Aktienindex Dax war schon am Morgen dramatisch um nahezu acht Prozent auf knapp 9600 Punkte abgerutscht – und damit erstmals seit vier Jahren unter die Marke von 10 000 Punkten. Zwischenzeitlich erholte sich der Leitindex, knickte nach der Bekanntgabe der EZB-Maßnahmen aber erneut ein.

Getrieben auch durch die weitere Talfahrt an der New Yorker Wall Street – dort musste der Handel wie schon am Montag zeitweise ausgesetzt werden – stürzte der Dax bis Handelsschluss auf 9161 Zähler ab. Es war der höchste Tagesverlust seit dem 16. Oktober 1989 und damit der zweithöchste in der Geschichte des Dax. „Die Aktienmärkte bleiben im Panikmodus. Die gestrigen Ankündigungen aus dem Weißen Haus schürten mehr Angst, als dass sie die Investoren beruhigen konnten“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader.

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