Wirtschaft

Deutsche Bahn Auslastung der Fernzüge steigt auf über 56 Prozent / Flexibilität der Kunden soll aber erhalten bleiben

Fahrgastverband gegen Reservierungspflicht

Archivartikel

Berlin.Samt Koffer im Gang hocken oder Rumlungern im Bordbistro: Wer zu Stoßzeiten ohne Reservierung in den ICE einsteigt, muss mitunter leidensfähig sein. Denn immer mehr Menschen fahren mit der Bahn, doch das Zugangebot wuchs bislang nicht in gleichem Maße mit. Das bedeutet: Die Auslastung der Fernzüge steigt stetig.

Waren Intercity und ICE im Jahr 2008 mit 44,2 Prozent in der Regel nicht mal halb voll, stieg die Quote bis 2018 auf 56,1 Prozent. Das teilte der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, der FDP im Bundestag mit. Braucht die Bahn eine Reservierungspflicht wie im französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV?

„Damit hätte ich zwar das eine Problem gelöst, bekäme aber ein anderes: Die Flexibilität wäre dahin“, gibt Karl-Peter Naumann zu bedenken, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn. „Manchmal steht man eben lieber eine Stunde im Zug, wenn man dafür mehrere Stunden früher am Ziel ankommt.“

Eine Reservierungspflicht wäre für solche Kunden eine große Einschränkung, sagt Naumann. Auch die Bahn hat eine Pflichtreservierung wiederholt abgelehnt.

Naumann meint: „Das Mischsystem aus Steuerung und Nicht-Steuerung bei der Deutschen Bahn ist eigentlich ganz vernünftig.“ Denn der Konzern versucht schon an mehreren Stellen, die Kundenströme zu lenken. Sie können etwa bei der Online-Buchung an einem mehrstufigen Symbol aus drei Figuren erkennen, wie voll der Zug voraussichtlich wird – schon ab Stufe zwei von vier empfiehlt das System den Fahrgästen eine Reservierung. Die Auslastungsprognosen seien verbessert worden, etwa mit Blick auf Feiertage, Ferien, Messen und Störungen im Luftverkehr, wie Ferlemann mitteilte.

Sparpreise sind schon lange dann besonders günstig, wenn wenige Reisende erwartet werden – also nicht gerade am Freitag- oder Sonntagnachmittag. Ist der Zug ausgebucht, gibt es auch keine Sparpreistickets mehr. Doch Kunden mit Flexpreis-Ticket können trotzdem zusteigen – und schon kann ein Zug überfüllt sein. dpa

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