Wirtschaft

Reaktionen Die meisten Mitarbeiter haben nicht mit so drastischen Nachrichten gerechnet / Viele halten die Verantwortlichen für rücksichtslos

Fassungslosigkeit nach der Betriebsversammlung

Mannheim.Sie haben gekämpft. Auf einem Banner vor den Toren von General Electric (GE) steht mit weißer Schrift auf einem roten Plakat der IG Metall: „Stoppt das Arbeitsplatzvernichtungsmonster!“ Einige Meter weiter vorne hängt mit riesigen roten Lettern „Widerstand“ an den Zäunen vor dem Mannheimer Betriebsgelände.

„In unserer Abteilung haben wir in den vergangenen Monaten nicht mehr nach Vorschrift gearbeitet, etliche Überstunden gemacht, um unsere Arbeitsplätze zu retten. Das ist wohl alles scheißegal!“ Das sagt ein Mitarbeiter aus dem Service, der wenige Minuten zuvor erfahren musste, dass sein Arbeitsplatz vermutlich gestrichen wird. Er, wie auch alle anderen betroffenen Mitarbeiter, die mit dieser Zeitung gesprochen haben, wollen weder ihren Namen noch ein Bild von sich in der Zeitung sehen. „Am Ende bin ich der erste, der fliegt“, lautet bei vielen die Angst.

Projekte nicht mehr zu schaffen

Die Arbeiter aus der Service- und Entwicklungssparte sind fassungslos und enttäuscht. Acht von zehn Arbeitsplätzen sollen gestrichen werden, das habe man ihnen bei der Betriebsversammlung verkündet. „Und die, die übrig bleiben, werden sicher in tarifgünstigere Gebiete verlegt“, ist ein Arbeiter von GE überzeugt. „Dass es so gravierend ausfällt, habe ich nicht geahnt“, sagt er weiter. Erst sprach eine französische Wirtschaftszeitung von 1000 Stellen deutschlandweit, jetzt sollen es sogar 1600 sein, die gestrichen werden. Am meisten enttäuscht die Menschen, dass GE ihrer Meinung nach nur auf Zahlen achtet. „Es geht immer um Geld, die Aktionäre haben Angst, dass ihre Dividende schrumpft, ob dabei ganze Existenzen oder Familien auf dem Spiel stehen, ist ihnen egal“, denkt ein Mitarbeiter.

„Wir mussten in den vergangenen Monaten einige Anfragen im Service bereits ablehnen, und andere Projekte können wir auch nicht umsetzen, weil wir jetzt schon viel zu wenig Personal sind“, berichtet ein Servicemitarbeiter vom laufenden Betrieb. Ein paar junge Männer, die nach ihrem Studium einen befristeten Vertrag bei GE unterschrieben hatten, sind schon auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber: „Wenn dann alle Leute raus sind, wird das hier ganz sicher dichtgemacht.“ Alle Kollegen seien deprimiert. „Es gibt hier ja auch Menschen, die seit 30 oder 40 Jahren mit Herzblut für den Betrieb arbeiten und jetzt einfach so entlassen werden. Das ist hart, und da hab’ ich schon einige lange Gesichter gesehen“, sagt ein junger Mann weiter. Wie lange es dauert, bis der Konzern den Abbau in die Tat umsetzt, kann niemand so richtig abschätzen. Ein Mitarbeiter erklärt: „GE ist ein Dinosaurier. In Amerika wird jetzt erstmal verhandelt, dann in Europa, Deutschland und dann kommen sie erst nach Mannheim. Ein Jahr kann das mindestens dauern.“

Aufmunternde Worte aus Amerika

Noch in den vergangenen Wochen habe Konzernchef John Flannery aus Amerika per Videoanruf zu den Mitarbeitern gesprochen. „Was für tolle Arbeit wir leisten, dass wir ein großartiges Team sind und dass wir auf die ganzen negativen Schlagzeilen nicht hören sollen. Das ist lächerlich. Ich weiß auch, dass das alles nur noch eine Frage der Zeit war, aber ich fühle mich einfach im Stich gelassen und hintergangen.“

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