Wirtschaft

Internationaler Währungsfonds Rund 20 000 Experten aus aller Welt treffen sich auf der Urlaubsinsel Bali / Sitzungen und Empfänge bestimmen den Ablauf

Finanztreffen in Ferienatmosphäre

Nusa Dua/Bali.Für viele war es ein Schock. Als die Erde 160 Kilometer entfernt mit 6,3 auf der Richterskala bebte, war das auch auf Bali deutlich spürbar. Die allermeisten der rund 20 000 Teilnehmer der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank wurden mitten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in ihrem Hotelzimmer aus dem Schlaf gerissen. Möbel und Lampen wackelten für Sekunden spürbar, Hotelgäste eilten auf die Straße. Im Handbuch für die Teilnehmer wird ausführlich auf die Gefahren eines Erdbebens und eines Tsunamis hingewiesen, die Verhaltensweisen werden auf mehreren Seiten genau beschrieben.

Liegen leer, Pools geschlossen

Erdbeben können die Indonesier bei dem von ihnen perfekt organisierten Weltfinanzgipfels nicht verhindern. Das Areal für das Treffen hat die Ausmaße einer deutschen Kleinstadt. Neben dem ohnehin schon riesigen Bali International Convention Center sind gleich drei Luxushotels direkt am Traumstrand der Ferieninsel für mehr als eine Woche komplett geblockt. Feriengäste finden in diesen Tagen hier kein Zimmer, die Sonnenliegen in den tropischen Gärten sind leer, die Pools geschlossen.

Statt Shorts, T-Shirt, Bikini und Flip-Flops dominieren dunkle Anzüge, weiße Hemden, Krawatten und weniger formal die typischen bunt gemusterten Batik-Hemden, die sich Teilnehmer gekauft haben. Und bei Damen Sommer-Kostüme. Minister, Notenbank-Chefs, Banker, Ökonomen und Journalisten aus den 189 Mitgliedsländern der beiden Institutionen sind nach Bali gekommen – in ein aufstrebendes Land, für das das weltgrößte Finanztreffen ein extrem wichtiges Ereignis ist, um sich der Welt zu präsentieren.

Die Atmosphäre auf der Tagung, die IWF und Weltbank traditionell alle drei Jahre – begleitet vom Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und wichtigen Meetings von Bankern aus aller Welt – außerhalb von Washington abhalten, ist freilich ungewöhnlich. Fast den ganzen Tag sitzen die Teilnehmer in heruntergekühlten Sitzungsräumen, während draußen in den tropischen Gärten und am von Kokospalmen gesäumten Strand Urlaubsatmosphäre herrscht.

Aus Deutschland sind unter anderen Bundesfinanzminister Olaf Scholz – für 48 Stunden Aufenthalt nach einem 14-stündigen Flug – angereist, ebenso Bundesbank-Präsident Jens Weidmann als deutscher Gouverneur im IWF. Aber kaum ein Teilnehmer der Konferenz hat Zeit, die Annehmlichkeiten zu genießen. Allenfalls manche beim Joggen am frühen Morgen auf dem Spazierweg, der den kilometerlangen Strand säumt. Vom Alltag außerhalb des perfekt angelegten Konferenzareals mit oft immer noch bescheidenen Lebensverhältnissen und viel Müll neben vielen Straßen bekommen Banker, Minister und Experten kaum etwas mit.

Mancher Teilnehmer schnuppert wenigstens abends für ein, zwei Stunden immerhin ein wenig Ferienparadies-Atmosphäre und tropische Luft. Dann laden Banken und Finanzfirmen zu Empfängen und zum „Networking“. Für sie sind die Jahrestagungen von IWF und Weltbank wichtig, weil sie auf engem Raum und in wenigen Tagen geballt so viele Geschäftspartner treffen wie sonst nie im Jahr. Die Commerzbank lädt in ein Top-Restaurant direkt am Strand verbunden mit traditionellen balinesischen Tänzen und Gamelan-Musik, die bundeseigene Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nutzt historisches Ambiente umrahmt von balinesischen Tempeln.

Kreditkarten werden gezückt

Dass das 260 Millionen Einwohner-Land gerade von zwei schweren Naturkatastrophen getroffen wurde,, wird auf der Jahrestagung kaum deutlich. Es gibt zwar auf jedem Meeting Mitgefühlsbekundungen für das indonesische Volk. Das Rote Kreuz sammelt Spenden, eine Vertreterin des IWF bittet darum. Viele Teilnehmer zücken Portemonnaie oder Kreditkarte: Mal sind es zehn Dollar, mal mehrere hundert. Ein Zeichen in einem luxuriösen Ambiente, in dem die ganz nahen Katastrophen doch ganz weit weg und kaum vorstellbar erscheinen. Auch wenn das leichte Erdbeben in der Nacht zum Donnerstag vielen Tagungsteilnehmern einen heftigen Schrecken eingejagt hat.

Zum Thema