Wirtschaft

Energie Versorger Fortum strebt mehr als 70-prozentige Mehrheit an der ehemaligen Eon-Tochter an / Widerstand von Management und Betriebsrat

Finnen greifen nach Mehrheit bei Uniper

Düsseldorf/Espoo.Der finnische Versorger Fortum greift nach der Mehrheit beim Düsseldorfer Energiekonzern Uniper. Für 2,3 Milliarden Euro will Fortum zusätzlich die bisher von den Fonds Elliott und Knight Vinke gehaltenen 20,5 Prozent an Uniper übernehmen, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Damit kämen die Finnen auf mehr als 70,5 Prozent an der ehemaligen Tochter des Energieriesen Eon. Voraussetzung sei, dass die Behörden in Russland und den USA die Transaktion freigeben. Fortum rechnet damit bis zum Ende des ersten Quartals 2020.

Uniper ist einer der großen europäischen Stromerzeuger. In Deutschland betreibt er zahlreiche Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke. Der frühere Mutterkonzern Eon hatte seine Restbeteiligung an Uniper von rund 47 Prozent im vergangenen Jahr gegen den Widerstand des Uniper-Managements an Fortum verkauft.

„Vehement widersetzen“

Seitdem ist das Verhältnis zwischen dem Uniper-Management und Fortum sehr angespannt. Auf der Uniper-Hauptversammlung Ende Mai war die Entlastung der damals amtierenden Vorstände auf Betreiben Fortums vertagt worden. Im Hintergrund stand der Verdacht, das Uniper-Management habe in Russland aktiv gegen eine Übernahme durch Fortum gearbeitet.

Mit der Aufstockung seiner Anteile will Fortum die Grundlage für eine „zunehmende Kooperation zwischen den beiden Unternehmen“ legen. Die bisherigen Gespräche mit dem Uniper-Management hätten „bis jetzt zu keinen konkreten Maßnahmen geführt“. Fortum schließt allerdings für mindestens zwei Jahre einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sowie ein Herausdrängen der verbleibenden Aktionäre aus.

Auch die Arbeitnehmervertreter hatten das Vorgehen von Fortum mit großem Misstrauen verfolgt. Mehrfach forderten Betriebsräte und Gewerkschaften den finnischen Konzern auf, auf eine feindliche Übernahme zu verzichten. Die Uniper-Beschäftigten würden sich einem solchen Vorgehen von Fortum „vehement widersetzen“.

Uniper hat rund 11 000 Mitarbeiter und im vergangenen Jahr aufgrund des großen Energiehandels rund 78 Milliarden Euro umgesetzt. Fortum ist mit rund 8000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 5,2 Milliarden Euro dagegen deutlich kleiner.

Fortum will im Zuge der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen oder eine Verlegung des Firmensitzes aus Düsseldorf veranlassen. Zudem wollen die Finnen bestehende Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und sonstige Vereinbarungen sowie das bestehende Mitbestimmungsniveau im Aufsichtsrat respektieren. Über den detaillierten Inhalt und die Dauer dieser Zusagen solle so bald wie möglich mit Uniper und den Arbeitnehmervertretern gesprochen werden. dpa

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