Wirtschaft

Verbraucher Hersteller nimmt „Rock’n Play Sleepers“ nach dem Tod von mehr als 30 Säuglingen vom Markt / Unternehmen betont Sicherheit des Produkts

Fisher-Price ruft Millionen Baby-Wiegen zurück

Washington.Als Keenan Overton von einem kurzen Schlaf auf dem Sofa aufwachte, fand er seinen fünf Monate alten Sohn tot neben sich in seiner Wiege liegen. Der Junge war im Dezember 2017 erstickt, nachdem er sich in der Baby-Wiege umgedreht hatte. Ezra – so hieß das Kind – ist einer von mehr als 30 Fällen, denen eine Wiege des amerikanischen Spielzeugherstellers Fisher-Price zum Verhängnis wurden. Nun hat der Konzern weltweit Millionen dieser Wiegen zurückgerufen. Das teilten die US-Verbraucherschutzkommission CPSC und der Hersteller am Freitagabend (Ortszeit) mit.

Betroffen sind rund 4,7 Millionen Exemplare der „Rock ‘n Play Sleepers“. Den Rückruf bestätigte auch eine Fisher-Price-Sprecherin in Frankfurt. Es handelt sich bei der Wiege um eine stoffbezogene Schale auf einem Gestänge und mit Schaukel-Funktion. Die amerikanische Verbraucherorganisation Consumer Reports hatte berichtet, dass nach ihren Untersuchungen seit 2009 mindestens 32 Kinder durch die „Rock ‘n Play Sleepers“ ums Leben kamen. Die Amerikanische Akademie der Kinderärzte hatte bereits vergangenen Dienstag den Rückruf gefordert. CPSC-Chefin Ann Marie Buerkle rief Eltern in einer Videobotschaft auf, die Wippe ab sofort nicht mehr zu benutzen.

Zunächst nur Produktwarnung

Die „Rock’n Play“-Wiege ließ sich über verschiedene Anbieter auch nach Deutschland importieren. Die deutsche Niederlassung von Fisher-Price verwies gestern auf die Stellungnahme in den USA. Sie versicherte, dass die Produktsicherheit oberste Priorität habe. Das Unternehmen machte zunächst keine Angaben dazu, wie viele dieser Wiegen in Deutschland verkauft wurden.

Vor einer Woche hatte die US-Verbraucherschutzbehörde gemeinsam mit Fisher-Price zunächst eine Produktwarnung herausgegeben. Darin warnten sie vor falscher Nutzung und forderten Verbraucher auf, die Wiege nicht mehr einzusetzen, falls das Baby älter als drei Monate sei oder sich selbst drehen könne. Zunächst war von zehn Todesfällen die Rede gewesen.

Fisher-Price hatte angesichts der Berichte beteuert, die Wiege erfülle alle Sicherheitsstandards. Dazu kam die Mahnung der Firma, man müsse bei der Nutzung die Hinweise beachten. Für Keenan Overton und seine Frau Evan war das ein Schlag ins Gesicht. „Es fühlt sich an, als würden die Eltern missachtet“, sagte Evan Overton dem Sender CNN bei einem Interview vor wenigen Tagen. Keenan klagte: „Es ist so frustrierend zu sehen, dass die Schuld auf die Eltern abgewälzt wird.“

Am Ende hat Fisher-Price die Wiege vom Markt genommen. Das Unternehmen sprach von einem freiwilligen Rückruf in Abstimmung mit den Behörden. In der Stellungnahme verweist die Firma weiter auf eine falsche Nutzung: „Während wir weiter zur Sicherheit unserer Produkte stehen, haben wir angesichts der berichteten Vorfälle, in denen das Produkt entgegen den Sicherheitswarnungen und -anweisungen gebraucht wurde, (...) entschieden, dass der freiwillige Rückruf die beste Vorgehensweise ist.“ dpa