Wirtschaft

Streik Ryanair-Piloten legen Arbeit für 24 Stunden nieder

Flugausfälle treffen 42 000 deutsche Passagiere

Frankfurt.Der Pilotenstreik bei Ryanair in mehreren europäischen Ländern trifft heute rund 55 000 Passagiere – davon 42 000 allein in Deutschland. Die irische Gesellschaft hat jeden sechsten ihrer rund 2400 geplanten Europaflüge abgesagt, weil in Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden die jeweiligen Pilotengewerkschaften ihre Mitglieder zu 24-Stunden-Streiks aufgerufen haben. Von den rund 400 Flugabsagen betreffen 250 die in Deutschland stationierten Maschinen und Crews.

Die Auswirkungen des auf 24 Stunden begrenzten Streiks werden an deutschen Flughäfen vor allem am frühen Morgen und ab dem Nachmittag zu spüren sein. So wurde beispielsweise in Frankfurt das komplette Frühprogramm des heutigen Tages gestrichen. Der Hunsrück-Flughafen Hahn hatte gestern auf seiner Webseite fünf Flugstreichungen gezeigt, die Flüge aber später ganz vom Plan genommen. Nicht vom Streik betroffen sind Passagiere in Baden-Württemberg, weil sich dort die Piloten der einzigen Maschine in Baden-Baden nicht an dem Streik beteiligen. Neben Frankfurt sind Berlin und Weeze die größten Ryanair-Basen in Deutschland.

Gleichwohl soll es an deutschen Flughäfen Starts und Landungen von Ryanair-Maschinen geben, die dann aus nicht bestreikten Ländern kommen. Rund ein Drittel der deutschen Passagiere werde so bedient, so das Unternehmen. Die von den Flugabsagen betroffenen Kunden sollten individuell informiert werden. Sie können umbuchen oder den Flugpreis zurückerhalten. Darüber hinausgehende Entschädigungen will die Airline nicht bezahlen.

Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, erklärte gestern ein Sprecher der Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) in Frankfurt. Morgen soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hatte Ryanair angekündigt. Der Streik endet offiziell um 02.59 Uhr. Weitere Arbeitskämpfe schließt die VC nicht aus, will sie aber mindestens 24 Stunden vorher ankündigen.

Verhandlungen blockiert

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der europäischen Billig-Airline, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier Tagen die Arbeit niedergelegt.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren. Dabei geht es etwa um Dienstzeiten oder Fixanteile des Gehalts. Ryanair verweist auf die hohen Endgehälter der Kapitäne und Copiloten. dpa