Wirtschaft

Fortschritt mit Macken

Archivartikel

Es stimmt: Die neue Entsenderichtlinie ist eine großartige soziale Errungenschaft in der EU, die das Problem des Lohndumpings aber nicht beseitigen kann. Befürworter und Kritiker haben recht. Denn auch wenn nun die Gast-Beschäftigten aus anderen EU-Staaten nicht mehr auf den Mindestlohn reduziert werden dürfen, sondern alle Gehaltsleistungen im Zielland bekommen müssen, so scheiden sich die Geister eben doch bei der Lohnsteuer und den Sozialleistungen.

Das macht den zeitweisen Auslandsaufenthalt für einige Arbeitgeber teuer, für andere dagegen deutlich billiger. Vor allem aber zementiert diese Situation ein Lohngefälle, das zwar nicht mehr so drastisch ausfällt wie bisher in vielen Bereichen. Aber es bleibt dabei, dass Beschäftigte aus Ländern beispielsweise im Osten für hiesige Unternehmen billiger sind.

Das Problem ist nicht lösbar, so lange sich die Mitgliedstaaten nicht auf eine Harmonisierung von Lohn- und Einkommensteuer sowie eine leichte Übertragbarkeit von Ansprüchen und Leistungen ihrer Sozialsysteme verständigen – beides wird noch für viele Jahre eine Illusion bleiben. Das schmälert die Reform der Entsenderichtlinie nicht, macht sie allerdings auch nicht zu dem großen Wurf, auf den viele gehofft hatten.