Wirtschaft

Gehälter In der Topetage der deutschen Wirtschaft sind Kandidatinnen rar – deshalb erhöht sich ihr Marktwert und damit auch das Gehalt

Frauen verdienen mehr als Männer

Frankfurt.Frauen sind in der Topetage der deutschen Wirtschaft eine Minderheit, aber sie verdienen anders als viele Geschlechtsgenossinnen im Schnitt mehr als ihre männlichen Kollegen.

Debatte über Quote

Nach einer Auswertung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY wurden weibliche Vorstandsmitglieder im vergangenen Jahr erstmals in allen Börsenindizes der Dax-Familie durchschnittlich besser bezahlt als Top-Manager. Als einen wichtigen Grund nannte EY-Experte Jens Massmann das wachsende Bestreben der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihr Salär.

In der obersten Börsenliga der 30 Dax-Konzerne verdienten Vorstandsfrauen im vergangenen Jahr demnach im Durchschnitt etwa 2,93 Millionen Euro und damit im Mittel rund 30 000 Euro mehr als die männlichen Top-Manager. Frauen werden den Angaben zufolge dort seit vier Jahren durchschnittlich besser bezahlt.

Bei den 60 Firmen im MDax war das Gehalt der Top-Managerinnen mit 1,44 Millionen Euro im Schnitt um etwa 115 000 Euro höher. Im SDax mit 70 Unternehmen lagen den Angaben zufolge erstmals seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2013 Frauen beträchtlich vorn. Ihre durchschnittliche Gesamtdirektvergütung fiel mit rund 1,07 Millionen Euro etwa sieben Prozent höher aus als die der Männer.

Anders sieht es dagegen im Vergleich bei den generellen Verdiensten von Männern und Frauen in Deutschland aus. Nach jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Frauen im vergangenen Jahr mit 17,72 um 20 Prozent niedriger als der von Männern mit 22,61 Euro.

Drei Viertel der Gehaltslücke lassen sich auf strukturelle Gründe zurückführen. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und seltener in qualifizierten Führungspositionen. Bereinigt um diese Faktoren blieb eine Gehaltslücke von zuletzt sechs Prozent – also das, was Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit weniger verdienen als Männer.

Insgesamt sank EY zufolge das Gehalt der Vorstände 2019 das zweite Jahr in Folge. Es verringerte sich über alle 160 Unternehmen der Dax-Familie im Schnitt um 4,6 Prozent auf rund 1,99 Millionen Euro. „Die schwierige konjunkturelle Lage hat im vergangenen Jahr – also bereits vor der Corona-Pandemie – zu deutlichen Gehaltseinbußen bei den Top-Managern geführt“, so EY-Experte Massmann. Im Jahr 2018 hatte es demnach bereits einen Rückgang von 0,5 Prozent gegeben.

In der obersten deutschen Börsenliga waren EY zufolge 2019 gut zwölf Prozent aller Vorstandsmitglieder weiblich, im MDax sieben Prozent und im SDax fünf Prozent.

Die Debatte über eine Frauenquote in Vorständen von Dax-Unternehmen hatte zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hatte sich zum Beispiel dafür ausgesprochen. 

Zum Thema