Wirtschaft

Gerichtsurteil Dax-Konzern darf vom Kauf des Creme- und Salben-Produzenten Akorn zurücktreten / Aktien schnellen in die Höhe

Fresenius gewinnt Rechtsstreit

Archivartikel

Bad Homburg.Im Tauziehen um die Übernahme des US-Arzneiherstellers Akorn kann der Gesundheitskonzern Fresenius aufatmen. Das zuständige Gericht in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware hat entschieden, dass der Bad Homburger Dax-Konzern Akorn nicht kaufen muss. Das Gericht sah ausreichend Gründe für Fresenius, sich von dem Geschäft zurückzuziehen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Akorn will nun in Berufung gehen, wie der Produzent von Cremes und Salben gestern ankündigte. „Wir sind enttäuscht von dem Urteil“, teilten die Amerikaner mit. Fresenius-Aktien schnellten nach der Nachricht dennoch um neun Prozent in die Höhe und schlossen letztlich 8,51 Prozent auf 68,62 Euro im Plus, während Akorn-Papiere an den US-Börsen um gut 56 Prozent einbrachen. Nach dem offiziellen Handelsbeginn an der Wall Street blieb die Aktie zunächst vom Handel ausgesetzt.

Schwere Vorwürfe

Fresenius hatte im April überraschend angekündigt, vom Akorn-Kauf für mehr als vier Milliarden Dollar zurücktreten zu wollen und schwere Vorwürfe wegen angeblich fehlerhafter Medikamententests erhoben. Der US-Konzern bestritt diese und pochte auf die Übernahme – danach sahen sich beide Unternehmen vor Gericht.

Sicherheitslücken bemängelt

Richter Travis Laster folgte nun der Argumentation des Dax-Konzerns, wonach Akorn zahlreiche Fehler vertuscht hat. Fresenius hatte vier Akorn-Managern, darunter dem früheren Chef der Qualitätskontrolle, vorgeworfen, Daten von Medikamententests geschönt und diese für Neuzulassungsanträge bei der US-Medikamentenaufsicht FDA verwendet zu haben. Auch hatte Fresenius Sicherheitslücken bei Akorn bemängelt, wodurch manipulierte Tests prinzipiell jedem möglich gewesen seien.

Fresenius-Chef Stephan Sturm hatte die Reißleine gezogen, nachdem beim Unternehmen im Frühjahr mehrere anonyme Hinweise auf ein mögliches Fehlverhalten Akorns eingegangen waren. Der US-Konzern warf Fresenius hingegen lange Zeit vor, die Tests als Vorwand zu nutzen, um sich von dem Deal zurückzuziehen. Denn die Amerikaner hatten nach der Unterzeichnung des Übernahmeplans schlechtere Ergebnisse ausgewiesen. Auch deshalb galt die geplante Übernahme als teurer Fehler von Sturm und belastete Fresenius-Aktien schwer.