Wirtschaft

Coronavirus Bei den Salons und ihren Kunden war der Ärger groß – jetzt ist die tagelange Hängepartie beendet

Friseure müssen doch schließen

Archivartikel

Rhein-Neckar.Am Freitagabend hat das Land Baden-Württemberg eine emotionale Debatte beendet: Warum haben Friseure entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen im Zuge der Coronapandemie weiterhin geöffnet – das fragten sich sowohl Kunden als auch Inhaber von Haarstudios. Mit einer Änderung der aktuellen Rechtsverordnung dürfen Friseure nun keine Haare mehr schneiden. Unverschämt und unverantwortlich sei das zuvor gewesen, lauteten noch zurückhaltende Kommentare bei einer Umfrage unter Friseurbetrieben in der Rhein-Neckar-Region.

Stühle auseinandergerückt

Anderthalb Meter Abstand sollen die Menschen laut Verfügung von einander halten. In Apotheken und Supermärkten halten Plexiglas-Konstruktionen oder Klebeband auf dem Boden die Kunden auf Distanz. „Im Friseursalon ist das nicht umsetzbar“, sagt Sabrina Santamaria am Freitag aufgebracht. Sie ist die Chefin des Frisurenwerk CS in Lampertheim. Drei Festangestellte und sie frisieren, schminken und stylen hier täglich Dutzende Kunden. Auch derzeit: „Es ist ruhiger geworden. Aber ich habe immer noch etwa 20 Kunden am Tag.“ Viel mehr, als Hygienebestimmungen zu beachten und die Stühle weiter auseinanderzurücken, könnten sie nicht tun. Sie hofft, dass auch Kosmetiker zeitnah ihre Betriebe schließen dürfen – aus Sorge um Personal und Kunden.

Für Santamaria und viele Kollegen in der Region ist das bisher jedoch keine Option gewesen: „Wir dürfen nicht selbstständig zumachen. Sonst erhalten wir keine staatliche Förderung.“ Hilfe habe sie auch beim Landrat gesucht. Doch der habe geantwortet, dass Friseure „unersetzbar“ seien, und deshalb geöffnet bleiben müssten. „Ich finde das einfach unverantwortlich“, entrüstet sie sich.

Auch eine Mitarbeiterin des Ludwigshafener Friseursalons Die Friseure versteht nicht, weshalb Friseure in dieser Stadt weiter geöffnet sein müssen. „In Speyer müssen die Betriebe seit Donnerstag zu bleiben.“ Auch Neustadt hat am Freitag eine Schließung angeordnet. In Heidelberg hat Die Friseure einen weiteren Salon. Die Stadt teilte am Freitag mit, dass fortan alle Kosmetikbetriebe geschlossen bleiben sollen – ausgenommen Friseure, denn: „Diese gehörten der Lebensnotwendigkeit an“, zitiert die Mitarbeiterin von Die Friseure Ludwigshafen.

In Mannheim sieht es nicht anders aus. „Ich will, dass wir und die Kunden geschützt werden“, sagt auch Tara Amin. Gemeinsam mit Michael Shakil Deiler ist sie Inhaberin von Hairdesign Tara im Stadtteil Lindenhof. „Und wenn die Salons dann halt mal zwei Wochen zu haben – oder eben drei Monate. Haareschneiden ist nicht lebenswichtig“, betont Amin.

Die Friseurin und ihr Team haben deshalb Masken auf, versuchen sich und andere zu schützen. Die Mannheimerin fühlt sich im Stich gelassen. Sowohl was die finanzielle Unterstützung als auch Beratung angeht. Sie erhalte keine Auskünfte, die ihr helfen würden, sagt sie – als hätte man die Friseure vergessen.

Ein Sprecher der Handwerkskammer Mannheim, sagte, dass der Organisation die Hände gebunden seien. Über die Landesverordnung hinaus könnten nur Städte und Orte zusätzliche Regeln erlassen. Kammerpräsident Klaus Hofmann habe Klarheit für die Handwerksbetriebe gefordert – insbesondere für diejenigen mit direktem Kundenkontakt. „Klarheit, die nur die Politik und Verwaltung geben kann“, fasst der Sprecher die Worte des Präsidenten zusammen. Diese Klarheit gibt es nun.

Zum Thema